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Interview zur Stiftungsgründung

Lebensblicke - Stiftung Früherkennung Darmkrebs

Prof. Dr. Jürgen F. RiemannInterview mit Herrn Professor Dr. med. J. F. Riemann,
Mitglied des Vorstands und Initiator der Stiftung
"LebensBlicke - Stiftung Früherkennung Darmkrebs",
Ludwigshafen

Interview i. d. Zeitschrift PRÄZISION. MAGEN-DARM-THERAPIE
5. Jahrgang / Nr. 2 / Juli 1999


Präzision: Warum haben Sie die Form der Stiftung für Ihr Vorhaben gewählt, gegen den Darmkrebs zu kämpfen?

Riemann: Es gibt in Deutschland vielfältige Aktivitäten, die sich dem Kampf gegen den Krebs im allgemeinen gewidmet haben. Stiftungen sind sozusagen Bürgerinitiativen, die auf ein bestimmtes Problem aufmerksam machen und mit definierten Zielen dieses Problem lösen wollen. So auch ,,LebensBlicke - Stiftung Früherkennung Darmkrebs". Das in dieser Stiftung eingeworbene Sondervermögen soll zur Förderung des bestimmten Zweckes verwendet werden, nämlich die Früherkennung zu intensivieren Stiftungen haben kaum Verwaltungsaufwand; ihre Mittel kommen nahezu vollständig dem Anliegen zugute.

Präzision: Was kann diese neue Stiftung leisten?

Riemann: Die Stiftung hat van Experten lnformationsbroschüren über die Möglichkeiten zur Früherkennung van Darmkrebs erarbeiten lassen. Diese basieren auf großen internationalen Studien, die eindeutig die Effektivität der Früherkennung belegen. Die Stiftung wird durch permanente Öffentlichkeitsarbeit in den Medien, durch die Einrichtung mobiler oder stationärer Beratungsstellen und die Herausgabe von Publikationen zur Information der Laien und der ärztlichen Öffentlichkeit beitragen.

Präzision: Wie ist die Ausgangslage?

Riemann: Der Darmkrebs und seine Vorläufer, die Adenome, haben die Eigenschaft, intermittierend zu bluten. Diese Eigenschaft macht sich der Stuhlbluttest zu Nutze. Wenn man diesen Test ab dem 50. Lebensjahr konsequent einmal jährlich durchführen würde und bei positivem Ausfall die diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen ziehen würde, könnte man das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, erheblich reduzieren.

Präzision: In der Bundesrepublik Deutschland gibt es seit 1977 die Krebsfrüherkennunqsuntersuchung. Warum hat dieses Angebot bisher nicht zu einem Erfolg geführt?

Riemann: Ein wichtiger Grund dafür ist sicher die Tatsache, dass in den ersten 15 Jahren keine prospektiven Daten über die Nützlichkeit eines solchen Test-Verfahrens vorlagen. Hinzu kommt, dass auch ärztliche Kollegen dem Okkultbluttest sehr skeptisch gegenüberstanden. Einzig die Gynäkologen haben entscheidend dazu beigetragen, dass von diesem Test überhaupt in nennenswertem Umfang Gebrauch gemacht wurde. Es ist nun aber einmal so, dass erst eine sehr hohe Compliance bei einem solchen Testverfahren zu einem messbaren Ergebnis führt.

Präzision: Woher nehmen Sie den Optimismus, dies ändern zu können?

Riemann: Das Bayerische Modellprojekt zur Darm Krebsfrüherkennung 1966, organisiert und unterstützt durch die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Krebshilfe, Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat deutlich gemacht, dass durch intensivierte Öffentlichkeitsarbeit über die inzwischen vorhanden Fakten, aber auch durch die spezielle Vergütung des Okkultbluttests und der gegebenenfalls notwendigen Koloskopie eine deutliche Steigerung der Akzeptanz dieser Vorsorgemaßnahmen bei Patienten wie Ärzten erreicht werden kann.

Präzision: Wie kann man Ihre Stiftung unterstützen?

Riemann: Die Stiftung richtet sich zum einen an die Ärzte Sie fordert sie auf, ihre Patienten über die großen Chancen der Früherkennung zu informieren und ihnen einmal jährlich den Okkultbluttest anzubieten. Die Stiftung richtet sich zum anderen aber auch an Betroffene, bei denen entweder durch Polypektomie ein Krebs verhindert oder bei denen durch rechtzeitige Erkennung eines Krebses im frühen Stadium eine Heilung erreicht wurde. Sie werden gebeten, durch finanzielle Unterstützung mitzuhelfen, das Anliegen der Stiftung zu verwirklichen. Die Stiftung richtet sich darüber hinaus auch an große Gesundheitsstiftungen, an die Industrie, an Fachverbände und an die Allgemeinheit, Unterstützung zu leisten. Nicht zuletzt ruft sie Krankenkassen und Politiker auf, dazu beizutragen, dass - ähnlich wie im bayerischen Modellprojekt - auch auf Bundesebene durch entsprechende Vereinbarungen Anreize geschaffen werden, das Ziel der Stiftung zu unterstützen: Nicht nur Leiden zu lindern, sondern auch bisher hohe finanzielle Aufwendungen für die Nachsorge durch Unterstützung von Präventionsmaßnahmen gezielt in die Vorsorge umzuleiten. Denn eines ist sicher: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Letzte Änderung: 30.07.2006

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