Brennpunkt Onkologie der DKG am 23.09.2014 in Berlin

Logoe-dkgDie Deutsche Krebsgesellschaft hat wieder zu einem interessanten “Brennpunkt Onkologie” in die Kalkscheune nach Berlin eingeladen. Der Themenbogen war weit gespannt von der Mammografie bis zur genomischen Vollanalyse des Menschen. Namhafte Referenten diskutierten durchaus kontrovers über das derzeitige Mammografiescreening sowie über die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung; die Darmkrebsfrüherkennung war weniger kontrovers, da vor allem für die Stuhlbluttestung sehr gute Evidenzdaten vorliegen. Es blieben aber durchaus Fragen wie z.B. den Konsequenzen aus dem Umgang mit der Detektion kleiner Adenome offen, die derzeit aufgrund der neuen Technologien deutlich mehr diagnostiziert werden. In der Diskussion wurde auch deutlich, dass qualitätsgesicherte Immonulogische Stuhlteste zur Verbesserung beitragen können. Für erbliche Tumore hat die Früherkennung einen besonderen Stellenwert; gerade hier sind genetische Beratung und die sorgfältige Analyse von Biomarkern von besonderer Bedeutung.
Das “COPE-Projekt” (Corporate Oncology Program for Employees) von SAP untersucht auf freiwilliger Basis bei SAP-Mitarbeitern eine genomische Vollanalyse ihres Erbguts vor dem Hintergrund, diese Daten in gemeinsamen Projekten mit DKFZ und NCT in Heidelberg in eine verbesserte Diagnostik und möglicherweise auch Therapie ein zu bringen. Die medizinischen, juristischen und ethischen Fragen sind in vielen Bereichen noch offen; die Initiative zeigt jedoch, das Früherkennung im Großen keine Vision mehr, sondern Realistät ist.
In einer abschliessenden Podiumsdiskussion erörterten die Referenten noch einmal die Sinnhaftigkeit von Krebsfrüherkennungsprogrammen als Massenscreening. Es wurde deutlich, dass noch viel mehr Wert auf eine begleitende Evaluation (Chancen und Risiken, Kosten und Nutzen) gelegt werden müsse, um gegebenenfalls Fehlentwicklungen gegensteuern zu können. “Die Veranstaltung war ein ausgezeichnetes Update des gegenwärtigen Kenntnisstandes und Meinungsbildes zu den wichtigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, so Prof. Dr. J.F. Riemann, der für die Stiftung LebensBlicke als Pro-Referent der Darmkrebsvorsorge und Früherkennung zu dieser Tagung eingeladen war.