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Zum Tod von Robert Gernhardt

Robert GernhardtMit Trauer haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass unser Mitstreiter im Kampf gegen den Darmkrebs am 30.6. verstorben ist.

Robert Gernhardt, der selbst ein von Darmkrebs Betroffener war, hat trotz seiner Krankheit seinen manchmal bissigen, aber immer treffenden Humor bis zuletzt nicht verloren. Wir verabschieden uns von ihm mit seinen eigenen Worten:


Zum guten Schluss ein wirklich guter Rat  


Ungutes ist zu berichten:
Dickdarmkrebs trifft alle Schichten.
Fünfzigtausend fällt er an,
und das jährlich,
dreißigtausend sterben dran,
sein wir ehrlich:
Totsein hilft nicht wirklich weiter.
Überleben wär gescheiter,
und das geht, vorausgesetzt,
dass dem Tod, ders Messer wetzt,
letzteres zu Boden sinkt,
ehe er den Stich anbringt.

So ein Tod geht über Leichen.
Nicht durch Worte zu erweichen,
muss man ihn durch Taten hindern,
unsre Lebenszeit zu mindern.
Jedem Heute folgt ein Morgen,
also gilt es vorzusorgen,
was im Falle Darmkrebs heißt,
dass man etwas Mut beweist
und den Darm charakterfest
einer Spieglung überlässt.

Einer Spieglung? Einer Reise!
Langsam, lichtgestützt und leise
dringt ein Auge ins Gekröse,
übermittelt gute, böse
Bilder, und ein Monitor
stellt sie Arzt und Model vor:
Rote Grotten, feuchte Schlunde,
hie Polypen, die im Grunde
harmlos sind, hie fahle Flecken,
die beim Arzt Verdacht erwecken.

 


Zwick! entnimmt er mittels Zange
eine Probe, und nicht lange
drauf vermeldet das Labor:
Stimmt, hier liegt ein Tumor vor.
Zack! Der Krebs hat sich geoutet,
weshalb unser Fazit lautet:
Besser ist´s, den Darm zu spiegeln,
als das Leben zu besiegeln.
Klüger ist's, den Krebs zu schneiden,
als das Sterben zu erleiden.
Schöner ist's, zu therapieren,
als Gesundheit zu verlieren.
Haarig ist die Therapie,
aber immer,
kürzer lebt man ohne sie.
Das ist schlimmer.

Daher lautet meine Meaning:
Unterzieht euch diesem Screening,
da selbst der, der kein Prophet ist,
weiß, dass nicht mehr früh zu spät ist.
Früherkennung sei das Motto!
So ein Krebs ist zwar ein Lotto,
das, dem Zufall unterstellt,
den verschont und den befällt,
doch ein Schicksal ist er nicht.
Flackert auch das Lebenslicht,
kann doch der, der's früh erkennt,
helfen, dass es weiterbrennt.
Helfen. Das meint nicht: Erzwingen.
Doch beim Darmkrebs kann gelingen,
wonach alles Leben strebt,
nämlich: Dass es weiterlebt!

 
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Robert Gernhardt, Zum guten Schluß ein wirklich guter Rat. Aus: ders., Die K-Gedichte.
© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2004

Letzte Änderung: 02.01.2007

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