Pressekonferenz zum Darmkrebsmonat März gut besucht

DSC_0536Besonders gut besucht war die heutige Auftakt-Pressekonferenz zum bundesweiten Darmkrebsmonat März im Rathaus der Stadt Ludwigshafen. Die Medienvertreter der lokalen und überregionalen Presse waren gekommen, um sich die aktuellen Zahlen und Entwicklungen in Sachen Darmkrebsvorsorge und  -Früherkennung geben zu lassen (Agenda). Die Stiftung LebensBlicke bilanzierte für das vergangene Jahr Erfolge, aber auch noch deutliche Mängel in der Prävention.

Die Darmkrebsvorsorge und Früherkennung steht jedes Jahr im Monat März vier Wochen lang für die Öffentlichkeit im besonderen Fokus. Das Motto dieses Jahres “Darmkrebsvorsorge? Ich bin dabei!”, resultiere aus einer bundesweiten Umfrage der Regionalbeauftragten der Stiftung LebensBlicke.

DSC_0533Professor Dr. Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke, berichtete in seiner Präsentation von einem erfolgreichen Jahr 2014. Hochrangige Publikationen haben deutlich gemacht, dass mit der Screening-Koloskopie innerhalb der letzten zehn Jahre ca. 180.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen verhindert werden konnten. Die Umsetzung des neuen Krebsfrüherkennungsregistergesetzes (KFRG) durch den G-BA läuft auf Hochtouren; mit der Einführung des bundesweiten Einladungsverfahrens ist 2016 fest zu rechnen. Auch in 2015 stellt sich wieder ein prominenter Künstler in den Dienst der Information: Jürgen Drews gibt am 22.03.2015 ein Benefizkonzert in der Friedenskirche in Ludwigshafen. Professor Riemann listete aber auch deutliche Mängel auf, wo rascher Nachbesserungsbedarf besteht: Die Einführung der immunologischen Tests (i-FOBT, FIT) stocke, obwohl deren deutliche Überlegenheit über den derzeit verwendeten guajakbasierten Test evident ist. Eine zielgruppenspezifische Bevölkerungsinformation, zum Beispiel das höhere Risiko der Männer für Darmkrebs, lasse noch sehr zu wünschen übrig (Mannheimer Erklärung). Er wiederholte die Forderung, Männern bereits schon mit 45 Jahren Zugang zur Darmkrebsvorsorge und -Früherkennung zu ermöglichen. Auch die risikoadaptierte Früherkennung müsse auf der Agenda bleiben, um Betroffenen eine faire Chance zu geben. Riemann beklagte weiter, dass noch erhebliche Defizite in der Betreuung der Menschen nach Krebs bestehe. Die Stiftung werde dieses Thema in den nächsten Jahren zu einem ihrer Schwerpunkte ausbauen. Armin Ruth, ein für die Stiftung LebensBlicke enorm engagierter Patient, habe am “German Cancer Survivor Day” in Berlin teilgenommen. Dieser Tag verdeutliche auch die Ausrichtung der Stiftung auf das Leben nach und mit Krebs.

DSC_0534Professor Dr. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik der Universitätsklinik Mannheim und Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke (vorne rechts im Bild), nahm Stellung zum Thema “Prävention dreidimensional: Tertiärprävention”. Er führte aus, dass gerade Menschen nach und mit Krebs vielfach ärztliche, psychoonkologische und soziale Hilfen brauchen, vielfach fehle ein Ansprechpartner, der die notwendigen, wirksamen und hilfreichen Nachsorgestrategien vermittle. Mit der “Heidelberger Erklärung” habe die Stiftung LebensBlicke zu diesem Themenkomplex der Tertiärprävention einen ersten wichtigen Aufschlag gemacht und zeige deutlich, dass Prävention mehrdimensional sein muss.

Erich Grohmann, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche ILCO e.V. stellte die Patientenselbsthilfe als eine zentrale Aufgabe der ILCO vor. Stiftung LebensBlicke und ILCO vertreten auf diesem Feld gemeinsame Aufgaben; sie haben daher für die Zukunft eine deutlich bessere Kooperation und vor allem Abstimmung auf der gesundheitspolitischen Ebene vereinbart. In der ILCO haben sich viele Betroffene zusammengefunden, die offen über ihre Probleme und Schwierigkeiten berichten, Hilfe suchen, aber auch Lösungen aus eigener Erfahrung anbieten. Die ILCO ist im deutschen Gesundheitswesen ein unverzichtbarer Partner für alle Gremien geworden. Der Verein startet im Darmkrebsmonat März die Aktion “1.000 Mutige Männer für NRW“, die von der Stiftung LebensBlicke nachdrücklich unterstützt wird. Gemeinsam planen Stiftung und ILCO im Herbst diesen Jahres vor Inkrafttreten des KFRG eine Aufklärungsaktion.

DSC_0541Volker Heymann, Regisseur und Autor des Theaterstückes “Alarm im Darm” und Mitglied des “Mannheimer Kulturknall”, verdeutlichte die Motivationsmöglichkeiten der Bevölkerung zur Teilnahme an Darmkrebsvorsorgemaßnahmen aus der Sicht eines Theatermachers. Seit Jahren sorge das Theaterstück “Alarm im Darm”, das bisher über 200 Mal von professionellen Schauspielern im gesamten Bundesgebiet aufgeführt wurde, für Furore. Es mache auf humorvolle und doch ernsthafte Weise deutlich, wie “ahnungslose” Menschen von der Vorsorge erfahren und sie in ihren Lebensablauf integrieren können. Hier ist nicht der erhobene Finger das Entscheidende, sondern der lustige und überzeugende Tabubruch. Daneben sorgten Clips mit ungewöhnlichen Darstellungsformen und derber Sprache für Aufmerksamkeit, wie sie wahrscheinlich in diesem Jahr in deutschen Fußballstadien zu sehen sein werden (“Das Runde muss ins Nackige“). Motivation sei ein Schlüssel zur Information; Zahlen und Fakten könnten zwar überzeugen, der Anstoß zum eigenen Entschluss sei aber sicher emotional.

DSC_0550Die Stiftung hoffte, dass auch in 2015 mit der Auftakt-Pressekonferenz ein mediales Echo ausgelöst werden kann, das vielfältigen Niederschlag in der Öffentlichkeit, anderweitigen Berichterstattungen, in Gesprächen am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis findet.
Im Bild von li. nach re: Erich Grohmann, Prof. Matthias Ebert, Volker Heymann und Professor J. F. Riemann.