Tertiärprävention – Die dritte Dimension der Stiftung

Logo Workshop Leben nach Krebs

Am 7. Oktober fand im Nationalen Turmorzentrum Heidelberg (NCT) ein bemerkenswerter Workshop statt, der von der Stiftung LebensBlicke, der Klinik für Tumorbiologie Freiburg und dem NCT Heidelberg organisiert war. Beeindruckend die initiale Feststellung, dass derzeit ca. vier Millionen Menschen allein in Deutschland mit Krebs leben, wie Professor Neli Ulrich vom NCT ausführte. Viele dieser Menschen haben ihre Krebserkrankung zwar erfolgreich überstanden; ein großer Teil ist aber auf lebenslange Weiterbetreuung angewiesen. Der Workshop befasste sich in erster Linie mit einer der häufigsten Krebsarten, dem Darmkrebs. Immerhin liegt die 5-Jahres-Überlebensrate für Frauen bei 65% und für Männer bei 64% Prozent (RKI 2013). “Nachsorge ist aber nicht nur Rezidivprophylaxe, sondern bedeutet für viele Patienten mehr”, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung LebensBlicke, Professor Jürgen F. Riemann, in seinem Eingangsreferat. “Die Stiftung habe zwar in der Darmkrebsvorsorge und -Früherkennung viel erreicht, der Tertiärprävention bisher aber viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.” Das soll nun anders werden.

Das neue Krebsfrüherkennungsregistergesetz (KFRG) bietet die einzigartige Möglichkeit, Daten zur Tertiärprävention wie Rezidiverfassung und Tumormarker zu generieren und damit die Möglichkeit einer zielgruppenspezifischen Nachsorgestratifizierung zu initiieren, regte Professor Dr. M. Ebert, UMM und Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke, an. Patienten mit kolorektalen Karzinomen machen mit 11% die drittgrößte Gruppe unter den Langzeitüberlebenden nach Krebs aus. PD Dr. Georgia Schilling, Freiburg, mahnte daher die Etablierung von altersadaptierten Interventions- und Educationsprogrammen für diese Betroffenen an, um den unerfüllten psychosozialen Unterstützungsbedürfnissen und körperlichen Langzeitfolgen dieser wachsenden Patientenzahl gerecht zu werden. Professor Dirk Arnold, Freiburg, forderte detaillierte Nachsorgepläne und spezielle Informationsveranstaltungen sowie eine verbesserte Koordination der Nachsorge, um die Schnittstellenproblematik, zum Beispiel zu Hausärzten, zu verbessern, die einen Großteil der Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung betreuen.

Die Workshop-Teilnehmer stellten eine Bedarfsermittlung vor, die die Problematik “Leben mit und nach Krebs” besser in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken soll. Dazu gehören unter anderem Kennzahlen zu Langzeiterfassung von Turmorpatienten, stärkere Einbeziehung von Selbsthilfegruppen, die schon angesprochene Risikostratifizierung der Nachsorge. Ein wichtiges Ergebnis der Tagung war auch, dass immer mehr Menschen nach kurativer Behandlung geheilt sind. “Diese positive Botschaft zu vermitteln wird ein wichtiges weiteres Anliegen der Stiftung LebensBlicke ebenso sein wie der Blick auf diejenigen, bei denen eine lebenslange ärztliche wie psychosoziale Betreuung erforderlich bleibt”, so Professor Riemann. Dieser Workshop wird der Ausgangspunkt für weitere Initiativen sein, über die in regelmäßigen Abständen auch auf dieser Website berichtet wird.

Leben nach Krebs - OrganisatorenIm Bild (v.li.n.re.):
Professor Riemann, Professor Ebert, PD Dr. Georgia Schilling, Professorin Neli Ulrich und Professor Dirk Arnold (Organisatoren des Workshops) im Foyer des NCT Heidelberg, im Hintergrund eine Bronze-Plastik von Mildred Scheel, Gründerin der Deutschen Krebshilfe.