Blogeintrag Februar:
Dies ist mein letzter Monat hier, und ich arbeite fleißig an meinem Manuskript. Die vergangenen Monate habe ich fast ausschließlich mit R gecodet und wissenschaftliches Schreiben ist nun eine ganz neue Herausforderung für mich. Man soll sich an der aktuellen Literatur orientieren, darf aber auf keinen Fall abschreiben. Gefühlt muss man alles zitieren und sitzt am Ende vor seitenlangen Listen aus der Literaturrecherche.
Obwohl man sich an strikte Regeln halten muss, möchte ich versuchen, mein Paper ein Stück weit wie eine Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, dass meine Einleitung das Interesse der Leserinnen und Leser weckt und sie dazu bringt, weiterzublättern. Ob mir das gelingt, wird sich zeigen. Bis zur Veröffentlichung liegt jedenfalls noch ein langer Weg vor mir. Zunächst wird alles von den Co-Autoren kritisch gelesen, danach folgt das Peer-Review. Ich bin gespannt, was andere zu meinem Projekt sagen werden.
Auch im Februar gehe ich wieder Skifahren. Außerdem bin ich zu einem Galentine’s-Abend eingeladen, bei dem wir gemeinsam basteln. Mein Freund besucht mich zum Valentinstag aus Deutschland, und wir brunchen gemütlich in einem Jazzcafé. Zusammen mit Ranran und zwei guten Freunden erkunden wir die Fifth Hot Springs. Das sind natürliche heiße Quellen im Spanish Fork Canyon. Wir bleiben bis nach Sonnenuntergang und beobachten den beeindruckenden Sternenhimmel.
Ich habe Geburtstag und feiere ihn mit ein paar engen Freunden in St. George. Wir campen über das Wochenende und gehen am Fels klettern. Abends sitzen wir gemeinsam am Lagerfeuer und essen Geburtstagskuchen.
Dieser Monat bringt jedoch auch meinen Abschied mit sich. Beim letzten Team-Meeting im Februar wird eine „Goodbye-Jara“-Party für mich organisiert. Passend zum Thema der Forschungsgruppe bekomme ich ein Darmkrebs-Plüschtier, ein besticktes Panorama des HCI und ein Buch rund um das Thema Darm geschenkt. Jeder im Team nimmt sich Zeit, ein paar persönliche Worte an mich zu richten – und es fließen tatsächlich ein paar Tränen. Ich habe mein Team hier sehr ins Herz geschlossen, und besonders von meiner Betreuerin Patricia fällt mir der Abschied schwer. Zum Glück gibt es Schokoladenkuchen, der die Wogen wieder etwas glättet.
Der Abschied fällt mir nicht leicht. Ich hatte mit jeder einzelnen Person in diesem Team eine durchweg positive Erfahrung und bin sehr dankbar, Teil dieser Gruppe gewesen zu sein. Ich werde weiterhin in Kontakt bleiben – und plane schon jetzt, wieder nach Salt Lake City zu kommen, um alle zu besuchen.
Blogeintrag Januar:
Die Weihnachtszeit in Europa mit meiner Familie war erholsam, und Salt Lake City begrüßt mich mit einem gezuckerten Bergpanorama. Das neue Jahr beginnt mit der Vorbereitung auf die PHS Poster Session, und ich entwerfe mein erstes eigenes wissenschaftliches Poster, um mein Projekt zu präsentieren. Es ist ein besonderes Gefühl, die eigene Forschung anderen vorstellen zu dürfen und die gesammelten Erkenntnisse strukturiert auf Papier zu bringen.
Ich lerne, wie man einen Abstract verfasst, und lasse ihn von den Co-Autoren peer-reviewen. Es ist spannend zu hören, was andere über mein Projekt denken und welche Fragen sie stellen: Warum hast du diese Personen bei der Analyse nicht ausgeschlossen? Wie hast du deine Modelle angepasst? Und wie bist du zu diesen Entscheidungen gekommen? Plötzlich beginnt man, jeden einzelnen Schritt zu hinterfragen. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass viele Entscheidungen wohlüberlegt getroffen wurden – und dass es dazugehört, für die eigenen wissenschaftlichen Überlegungen einzustehen. Der Input der Co-Autoren ist dabei unglaublich wertvoll, auch wenn sich bestätigt, dass zu viele Köche manchmal den Brei verderben können.
Im Team-Meeting gibt es ein Format, das gezielt zur Präsentation der eigenen Arbeit genutzt werden kann. Diese Gelegenheit nutze ich, um mein Projekt vorzustellen und mir direkt Feedback zu meinem Posterdesign einzuholen. Ich schätze die hier gelebte Kultur sehr: Projekte werden gemeinsam betrachtet, Fragen offen gestellt und konstruktive Kritik selbstverständlich geäußert. Nach dem Meeting gehe ich mit zahlreichen neuen Ideen nach Hause, weil sich alle viel Zeit genommen haben, mein Poster aufmerksam zu diskutieren. Die Posterpräsentation selbst verläuft sehr gut, und Ranran und ich erhalten viel positives Feedback. Zusätzlich unterstützen wir in diesem Monat mit organisatorischen Aufgaben die ColoCare Study und tragen so ein Stück zum Team bei.
Auch außerhalb des Labors hält der Winter neue Erfahrungen bereit: Zum ersten Mal in unserem Leben gehen Ranran und ich langlaufen. Ein überraschend spaßiges Unterfangen! Nach einem halben Tag habe ich zumindest einigermaßen verstanden, wie ich halbwegs effizient vorankomme. Trotzdem bleibe ich dem Alpinski treu und genieße es, in den Cottonwood Canyons die Pisten hinunterzurasen. Von Salt Lake City aus ist man in nur 40 Minuten im Skigebiet, ein echter Luxus. Mit einer Gruppe von Freunden fahre ich außerdem nach Jackson Hole (Wyoming); das Skigebiet ist beeindruckend und auch die kleine Stadt Jackson hat ihren ganz eigenen Charme.
Manchmal komme ich genau zum Sonnenaufgang zur Arbeit. Der Ausblick vom Institut ist dann besonders schön: Der sonst so unscheinbare Parkplatz mit seinem gebrochenen Asphalt leuchtet in der Morgensonne, und die Glasfront des modernen Research-Gebäudes spiegelt Gelb-, Orange- und Lilatöne wider. Vielleicht liegt gerade in diesem Zusammenspiel aus Natur und menschengemachter Umgebung eine besondere Schönheit, die mich auch in meiner wissenschaftlichen Arbeit begleitet.
Diese Zeit in Salt Lake City wird mir in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben.
Blogeintrag Dezember:
Es gibt sehr viel zu tun, und der Dezember fühlt sich deutlich zu kurz an. Wir arbeiten an verschiedenen Modellen für die Cox-Proportional-Hazard-Analysen, und Patricia und ich beginnen bereits mit der Arbeit an der Einleitung und dem Methodenteil meines Papers. Zusätzlich bereiten wir uns auf eine Posterpräsentation im Januar vor. Dafür muss ich einen Abstract einreichen, der von allen Co-Autoren gelesen und mit Feedback versehen wird.
Die ColoCare-Studie verschickt jedes Jahr an alle Studienteilnehmenden eine Weihnachtskarte, die von allen Mitgliedern des Teams unterschrieben wird. Diese Geste bringt unsere Dankbarkeit für das Engagement, die Mitarbeit und den Einsatz unserer Patienten zum Ausdruck. Gleichzeitig bedeutet sie viele Stunden Karten unterschreiben, in Umschläge stecken und sorgfältig verschließen. Eine sehr repetitive Aufgabe, die viel Raum zum Nachdenken lässt – zum Beispiel darüber, was ich der nächsten Person raten würde, die neu nach Salt Lake City kommt. All diese Gedanken halten Ranran und ich in der neuesten Version des „Moving to SLC Guide“ fest, den ich jedem, der nach Salt Lake City zieht, wärmstens ans Herz legen kann.
Über Weihnachten fliege ich zu meiner Familie nach Europa und habe viel von meiner Zeit in den USA zu erzählen. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, merke ich, wie sehr sich Forschung, Klinik und mein persönlicher Alltag miteinander vermischt haben. Mit viel Dankbarkeit für diese Zeit und Neugier auf das, was kommt, freue ich mich auf das nächste Jahr und alles, was es mit sich bringen wird.
Blogeintrag November:
Durch die ColoCare-Studie darf ich bei Patientenneuaufnahmen assistieren, und es tut gut, wieder Zeit in der Klinik zu verbringen. Die Interaktion mit den Patienten macht mir viel Freude, und gleichzeitig bekomme ich einen wertvollen Einblick in die Organisation und den Ablauf einer so großen Studie. Nebenbei übernehme ich in diesem Monat weitere Aufgaben, zum Beispiel das Heraussuchen bestimmter Patientenakten oder das Aktualisieren der Team-Website.
Mein Projekt „Association between hormone replacement therapy use and colorectal cancer survival: Results from the ColoCare Study“ schreitet stetig voran. Mein Table 1 mit allen p-Werten ist inzwischen fertiggestellt, und wir widmen uns nun den Survival-Analysen. Als ich meine erste Kaplan-Meier-Kurve mit R erstelle, bin ich sehr stolz auf unsere Arbeit. Natürlich gibt es auch Fragen, die meine Betreuerin Patricia und ich nicht alleine beantworten können. Zum Glück arbeiten wir in einem Team mit großer Expertise, und mir wird immer deutlicher, wie wichtig Teamarbeit in der Forschung ist. Innerhalb unseres Teams gibt es viele Menschen mit vielseitigem Wissen, die dieses großzügig miteinander teilen.
Am Wochenende fahre ich in den Süden von Utah, gehe campen und am nächsten Tag klettern. Nachts fallen die Temperaturen unter null, doch tagsüber ist es sonnig, und der Himmel leuchtet in einem klaren Blau. An Thanksgiving besuche ich die Familie meiner WG-Mitbewohnerin in Golden, Colorado, und wir besichtigen die Coors Brewery. Die Geheimzutat des Biers ist Rocky-Mountain-Wasser, und tatsächlich schmeckt es besonders frisch. Die Brauerei ist eine der größten der Welt und wurde einst vom deutschen Auswanderer Adolph Coors gegründet. Am Thanksgiving-Abend erzähle ich, wie dankbar ich für diese besondere Zeit in den USA bin, bevor wir uns schließlich mit einer ordentlichen Portion Turkey den Bauch vollschlagen.
Blogeintrag Oktober:
Ranran und ich besuchen den „Innovation Accelerator Series Workshop“ und starten damit erfolgreich in den Oktober. Es ist toll, von so vielen inspirierten Menschen umgeben zu sein, und ich bin noch motivierter, mein eigenes Projekt voranzubringen. Ein endloser Zug an Fragen beginnt: Was sind meine Inclusion- und Exclusion-Kriterien? Wie kann man Menopause definieren? Wie wollen wir unsere Gruppen für die Survival-Analyse definieren? Es ist wichtig, eine gründliche Literaturrecherche zu machen und zu vergleichen, wie andere das umsetzen.
Wenn man sein finales Datenset hat, mit dem die Analysen durchgeführt werden, beginnt man mit der Erstellung von Table 1. In dieser Tabelle wird im Wesentlichen die Patientengruppe beschrieben, zum Beispiel das Durchschnittsalter oder welche Therapien die Patienten erhalten haben. Daran arbeite ich aktuell. Immer wieder muss man Rückchecks machen, um sicherzustellen, dass keine Daten verloren gegangen sind. Mein R-Code wird immer länger, aber langsam weiß ich besser, was ich tue.
Ich besuche Neli’s Clinical and Translational Epidemiology Class, und Ranran und ich unterstützen meine Betreuerin Patricia bei einigen organisatorischen Aufgaben. Die Lehrveranstaltung ist so aufgebaut, dass jeweils ein Student ein wissenschaftliches Paper intensiv vorbereitet, es vorstellt und anschließend von den anderen Teilnehmenden dazu befragt wird. Etwa die Hälfte der Studierenden besucht die Klasse bereits im zweiten Jahr und verfügt über ein sehr fundiertes Fachwissen. Ich lerne dabei enorm viel – sowohl durch die Vorbereitung meiner eigenen zwei Paper als auch durch die Art und Weise, wie andere mit unterschiedlichen Fragestellungen umgehen.
Ich besuche das Oktoberfest in Salt Lake City. Da ich in München studiere, tauche ich auch dort pflichtbewusst in Tracht auf. Im Vergleich zu Bayern ist hier deutlich mehr Sahne auf dem Bier, aber die Stimmung ist gut, und es gibt sogar eine deutsche Band.
Am darauffolgenden Wochenende gehe ich auf das Redwest Music Festival, ein Festival für Country-Musik. Der Auftritt von Noah Kahan ist sehr schön, und mein Lieblingssong „Stick Season“ wird so gefühlvoll gesungen, dass fast alle Tränen in den Augen haben. Bei einer Painting Night im Westerner kreieren Ranran und ich eine Katze im Van-Gogh-Stil.
Ich bekomme Besuch von zwei Freunden, und wir fahren zu den Fifth Hot Springs. Diese sind nur zwei Stunden von Salt Lake City entfernt, und weil wir erst spät nach der Arbeit aufbrechen, sitzen wir in den heißen Quellen und schauen in einen wunderschönen Sternenhimmel. Ein Wochenendtrip nach Moab überzeugt auch meine beiden deutschen Freundinnen davon, dass Utah ein ganz besonderer Ort ist.
An Halloween gehen wir durch die aufwendig dekorierten Nachbarschaften von Salt Lake City und ich bewundere, wie viel Mühe sich die Menschen hier geben. Am Sonntag hören wir uns den mormonischen Chor an. Die Musik klingt wirklich episch.
Blogeintrag September:
Es gibt einen Grund zum Feiern, denn mein Projektvorschlag wurde nach ein paar zusätzlichen Nachfragen und Berechnungen akzeptiert. Während ich darauf warte, dass mir das Data Team alle Daten zur Verfügung stellt, mache ich einen Onlinekurs der Universität, um mich auf das Programm R vorzubereiten.
Um einen guten Überblick über das Projekt zu behalten, erstelle ich einen genauen Zeitplan, in dem ich plane, wann was erledigt werden soll und wie ich das Projekt strukturieren möchte. Endlich habe ich die Daten auf meinem Rechner. Ich habe verschiedene Excel-Tabellen zu denselben Patienten, und die erste Challenge besteht darin, daraus einen einzigen Datensatz zu erstellen, in dem jeder Patient alle ihm zugehörigen Daten hat.
Coden lernt man nicht im Medizinstudium, aber es macht mir Spaß, etwas Neues zu lernen, und ich werde immer vertrauter mit dem Programm. Das Wichtigste erscheint mir, regelmäßige Checks zu machen, um zu kontrollieren, ob einem vielleicht kleine Fehler unterlaufen sind. Diese können sich summieren und später zu großen Problemen führen.
Für die ColoCare-Studie dürfen Ranran und ich diesen Monat einen Newsletter entwerfen. Außerdem gibt es viele weitere Momente, in denen wir uns im Team aktiv mit Aufgaben einbringen dürfen.
Mein Freund kommt mich in SLC besuchen, und wir machen einen Wochenendtrip zum Capitol Reef National Park. Auf unserer Wanderung folgen wir den Windungen eines kleinen Flusses durch einen roten Canyon.Es erinnert an eine Marslandschaft aus einem Comic Buch.
Ende September darf ich mir eine Woche freinehmen, und ich fahre mit meinem Freund zum Yosemite National Park. Um dorthin zu gelangen, fährt man stundenlang durch die endlose Steppe von Nevada. Noch nie habe ich eine Straße befahren, die einfach nur ewig gerade ist. Wir fahren bis spät in die Nacht, und alle paar Meilen fliegt eine Eule hoch. Sonst ist man komplett alleine – hier will man wirklich keine Autopanne haben. Öfters sieht man Kreuze am Straßenrand; es ist leicht, am Steuer einzuschlafen, wenn man nur geradeaus fährt.
Wir beschließen, ein paar Stunden zu ruhen, und werden am nächsten Morgen von einem wilden Esel geweckt. Nach einem weiteren Reisetag kommen wir endlich in Yosemite an und schlagen dort unser Camp auf. Wie zu erwarten ist es hier viel grüner. Auf der Half-Dome-Wanderung sehen wir einen großen Bären schnell über den Gehweg huschen. Man ist wirklich mitten in der Wildnis.
Wir machen einen Abstecher zum Sequoia National Park, und die Sequoias – riesige Bäume, die mehrere hundert Jahre alt sind – thronen gewaltig über dem mickrig wirkenden Nadelwald.
Blogbeitrag August:
Mein Projektvorschlag nimmt immer mehr Gestalt an. In einer Woche werde ich ihn beim U01 Wide Call präsentieren, und mit Unterstützung von Patricia und Mmadili bekommt er noch den letzten Schliff. Die Präsentation läuft gut, nur an meiner Stichprobengröße werden ein paar Zweifel geäußert. Man muss sich wohl daran gewöhnen, dass in der Forschung nicht alles genau so läuft, wie man es sich vorstellt. Überall stößt man auf unerwartete Hindernisse und verläuft sich auf überraschenden Umwegen. Nach einer Power-Berechnung wird mein Projekt schließlich bewilligt – ich bin erleichtert.
Die ColoCare-Studie läuft wie gewohnt. Ich mag mein Team sehr und wir arbeiten großartig zusammen.
Besonders freue ich mich, dass meine Familie zu Besuch kommt und ich ihnen Salt Lake City zeigen kann. Wir machen eine Tour durch mehrere Nationalparks, darunter Yellowstone, Antelope Canyon, Bryce Canyon und Zion National Park. Besonders die vulkanische Gegend im Yellowstone Nationalpark ist einfach nur atemberaubend. Aber auch die direkte Umgebung von Salt Lake City hat viel zu bieten. Fährt man etwa zwei Stunden in Richtung Nevada, landet man auf den „Bonneville Salt Flats“, einer Salzwüste, auf der jedes Jahr während der „Bonnewille Speed Week“Autorennen stattfinden. Nur eine Stunde von Salt Lake City entfernt kann man auf Antelope Island Bisons beobachten und im salzhaltigen Wasser des Great Salt Lake treiben. Überall um einen herum schwimmen winzige „brine shrimp“ im Wasser. Sie ähneln den Urzeitkrebsen, die viele früher als Kind gezüchtet haben. Meine Familie ist begeistert – die State und National Parks hier in Utah sind etwas ganz Besonderes und bieten eine erstaunliche Vielfalt an Naturerlebnissen.
Am letzten Wochenende im August besteige ich mit meiner WG-Mitbewohnerin den Mount Timpanogos. Auf dem steilen Weg zum Gipfel begegnen wir einer Herde Bergziegen. Ihr weißes, flauschiges Fell schützt sie bestens vor der Kälte, die in dieser Höhe herrscht.
Blogbeitrag Juli:
Der Monat begann mit einem Training für das „Gift Card Raffle“. Patienten, die kürzlich ihre Fragebögen eingesendet haben, bekommen hier die Chance, einen Gutschein zu gewinnen. Es macht richtig Freude, die Leute einmal aus so einem positiven Anlass anrufen zu dürfen.
Ranran und ich nahmen uns außerdem der Aufgabe an, den Filing Room aufzuräumen und eine Inventarliste zu erstellen. Der Frozen Yoghurt, zu dem Neli anschließend das ganze Team einlud, war da eine willkommene Abwechslung. Natürlich ging es auch mit den üblichen Aufgaben der ColoCare Studie weiter, und zusätzlich erhielten wir noch das RSR-Training, damit wir uns künftig besser im Patientendatensystem zurechtfinden. Nebenher hatte ich mehrere Besprechungen zu meinem Projekt und schrieb eifrig an meinem Project Proposal.
Ein ganz besonderes Highlight war, dass ich in diesem Monat das Privileg hatte, den Fourth of July in den USA mitzuerleben! Der Tag begann stilecht mit Hot Dogs frisch vom Grill und endete mit einem spektakulären Feuerwerk am Abend. Sehr gefallen hat mir auch ein Konzert, das ich im Red Butte Garden besuchen durfte – eine wunderschöne Bühne mitten im botanischen Garten, die für eine einmalige Atmosphäre sorgt.
Ich war viel klettern, vor allem im American Fork Canyon und im Big Cottonwood Canyon. Im Letzteren hatte ich eine ziemlich gruselige Begegnung mit einer Klapperschlange, die sich gemütlich mitten auf dem Wanderweg sonnte. Diese Tiere sind wirklich perfekt getarnt – und nur mein Schutzengel oder die schrillen Schreie meiner Kletterpartnerin haben mich davor bewahrt, direkt auf sie zu treten.
Den Geburtstag meiner WG-Mitbewohnerin feierten wir mit einem Paddleboard-Ausflug. Die Natur war traumhaft schön, und im kühlen See schwimmen zu gehen, war eine willkommene Erfrischung.
Zusammen mit Ranran und Megan besuchte ich außerdem ein Rodeo – ein durch und durch amerikanisches Erlebnis. Besonders begeistert hat mich das Mutton Bustin‘, bei dem kleine Kinder auf Schafen reiten und sich so lange wie möglich festhalten müssen. Im Vergleich dazu wirkt das Rodeo der Erwachsenen fast furchteinflößend: Sie versuchen, sich auf riesigen, gefährlichen Bullen zu halten – ein echter Adrenalinkick, selbst nur beim Zusehen.
Blogbeitrag Juni:
Langsam gewöhne ich mich an den Rhythmus der wöchentlichen Team-Meetings der ColoCare-Studie und des gesamten Teams. Besonders gefällt mir, wie sehr hier die Kommunikation untereinander gepflegt und regelrecht zelebriert wird. Neli hat uns sogar alle zum Essen eingeladen, weil das PPG erfolgreich eingereicht wurde. Generell gibt es hier viele Aktionen, die dazu beitragen, dass die Mitarbeitenden miteinander ins Gespräch kommen. Besonders begeistert mich der Population Sciences Roundtable, bei dem die Leute mit riesigen Mengen Pizza angelockt werden.
Diesen Monat fand außerdem die Founder’s Week am HCI statt – eine Woche voller Geschichte, Gewinnspiele und fröhlicher Momente mit meinen Arbeitskollegen.
Auch außerhalb der Arbeit habe ich in diesem Monat viel erlebt: Eines Abends war ich bei einer mormonischen Familie eingeladen. Eine Freundin aus München hatte mir den Kontakt zu ihren entfernten Verwandten in Salt Lake City vermittelt, und schon kurze Zeit später saß ich mit ihnen am Esstisch. Spätestens nach dem Tischgebet wurde mir klar, dass ich bei Mormonen zu Gast war. Nach dem Essen fuhren wir gemeinsam zum Pickleball spielen – eine hier sehr beliebte Sportart. Obwohl ich noch ein blutiger Anfänger bin, hatte ich unglaublich viel Spaß und möchte es unbedingt wiederholen.
Am darauffolgenden Wochenende zog ich in eine neue WG mit drei Amerikanerinnen. In meinem neuen Zimmer fühle ich mich richtig wohl, und unser kleines Häuschen hat einen ganz eigenen Charme.
Wusstet ihr, dass High School Musical in Utah gedreht wurde? Da Studierende der Brigham Young University das Musical aufführten, fuhren wir extra nach Provo – eine Stadt, die stark von der mormonischen Kultur geprägt ist. Noch ganz begeistert von der Vorstellung, machten wir Halt bei SWIG, einer mormonischen Fast-Food-Kette, die für ihre wilden Soda-Mischungen bekannt ist. Einen Dr.-Pepper-Kirsche-Vanille-Kokoscreme-Mix muss man sich wirklich erstmal auf der Zunge zergehen lassen! Für alle, die es etwas weniger süß mögen, empfehle ich den Strawberry Breeze.
Auch sportlich war der Monat voller Highlights: Mit dem Rennrad düste ich den Emigration Canyon hoch und wurde mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Am darauffolgenden Samstag fand das Sportfest des Huntsman Cancer Institute statt. Ranran und ich nahmen quasi „remote“ daran teil, indem wir zum Silver Lake wanderten. Auch meine neuen Mitbewohnerinnen haben das Wanderfieber gepackt. Wir machten viele schöne Hikes rund um Salt Lake City – und das Beste ist: Schon nach 15 Minuten Autofahrt steht man hier mitten in den Bergen! In Brighton hatten wir sogar das Glück, einen jungen Elch zu sehen.
Zum Abschluss des Monats besuchten Ranran und ich die XGames – ein echtes Spektakel, bei dem die besten BMX-, Skateboard- und Motocross-Fahrer der Welt gegeneinander antreten.
Erster Monat in Salt Lake City
Aufgeregt stehe ich vor der Passkontrolle in Salt Lake City. Ich gehe noch einmal alle Dokumente für die Visumskontrolle durch. Nach 15 Stunden Flug kann ich kaum noch klar denken, und ich mache mir Sorgen, dass ich aus Versehen etwas Falsches sage. Der entscheidende Moment kommt – und der Beamte gibt mir ohne Kommentar meinen Einreisestempel. Gut gelaufen. Ranran, die andere Medizinstudentin, die mit mir das Programm am Huntsman Cancer Institute antritt, und ich machen uns schnell aus dem Staub. Jetzt kann unser Abenteuer wirklich beginnen.
Die erste Woche in Salt Lake City vergeht wie im Flug. Es gibt viel zu organisieren, ich lerne alle Leute aus dem Labor kennen und kämpfe anfangs jeden Abend mit dem Jetlag. Da ich erst ab der zweiten Woche eine Wohnung habe, komme ich erstmal bei Neli unter. Sie hat zwei unglaublich süße Labradoodles, und ich gehe mit ihnen im Emigration Canyon spazieren.
Der Frühling, der das gerade noch nasse, kalte Deutschland nicht ganz erreicht hat, ist hier schon in vollem Gange. Alles um mich herum blüht, die Straßenränder schmücken sich mit wunderschönen Wildblumen, und riesige Rosensträucher wuchern in den Vorgärten. Das Institut liegt am höchsten Punkt von Salt Lake City, und bei jeder Gelegenheit bewundere ich den atemberaubenden Ausblick auf die Stadt, die von den schneebedeckten Gipfeln der Wasatch Mountains eingerahmt wird.
Am ersten Wochenende versuche ich, ein bisschen deutsche Kultur nach SLC zu bringen, und bereite einen Kaiserschmarrn zu. Am Samstag bekommen Ranran und ich Tickets für das Broadway-Musical Wicked geschenkt – die magischen Melodien begleiten uns noch die ganze nächste Woche.
Außerdem bin ich zum Muttertagsbrunch bei Nelis Familie eingeladen, und danach sind wir gemeinsam im Botanischen Garten unterwegs – ein wunderschöner Ort, an dem im Sommer auch Konzerte stattfinden.
Die Zeit vergeht, wir lernen mehr über die ColoCare-Studie und dürfen Patienten-Kits zusammenstellen und Geburtstagskarten schreiben. Mittlerweile wohne ich in einer neuen WG, und meine Mitbewohnerin geht mit Ranran und mir thrift-shoppen. Obwohl ich eigentlich nützliche Haushaltsgegenstände besorgen sollte, fängt eine Popcornmaschine meine volle Aufmerksamkeit. Nach einem anstrengenden Shopping-Trip probieren wir die Burger bei In-N-Out – hervorragend.
Alle im Team sind unter Strom, weil die Ulrich-Gruppe einen großen Grant beantragen muss. Die Deadline rückt immer näher, und ich verbringe das Wochenende im Huntsman Cancer Institute, um mein Team zu unterstützen. Trotz des Stresses herrscht gute Stimmung, und wir essen Pizza. Es ist eine gute Gelegenheit, meine Arbeitskolleg*innen besser kennenzulernen.
Mittlerweile haben Ranran und ich das Student Life Centre der University of Utah entdeckt. Hier gibt es alles, was das Sportlerherz begehrt: ein riesiges Gym, ein Schwimmbad mit Hot Tub, Basketballplätze, eine Kletterhalle und mehr. Jeden Tag nach der Arbeit nutzen wir diese Angebote und merken, dass es hier unglaublich viele sportlich motivierte Menschen gibt. An diesem Wochenende findet in SLC der Boulder World Cup statt – natürlich muss ich mir den anschauen. Danach erkunde ich gemeinsam mit Ranran die Stadt. Die Mormonengebäude sind wirklich beeindruckend, und wir hören uns ein Orgelkonzert in der Konferenzhalle der Mormonen an. Alle sind freundlich und erzählen gern über ihren Glauben.
Interessant finde ich, dass die Mormonen schon seit Jahrzehnten Stammbäume von Familien aus aller Welt sammeln. Ich überlege, mir eine Stammbaumanalyse machen zu lassen – vielleicht habe ich ja auch ein paar entfernte Verwandte unter den Mormonen?
Am Samstag haben wir Tickets für das Symphonieorchester von Utah. Die Konzerthalle ist wunderschön, und in der Mitte der Empfangshalle thront eine beeindruckende rote Glasskulptur. Die Musik ist bezaubernd – ein wunderschöner Abend.
Am Sonntag bringt uns meine WG-Mitbewohnerin zum Emigration Canyon Lake. Der See glitzert in der Sonne, und überall blühen leuchtend gelbe Blumen. Den Memorial Day verbringen wir mit einem Hike über den Living Room Trail. Am höchsten Punkt unserer Wanderung befinden sich viele kleine „Sessel“, die motivierte Wanderer aus herumliegenden Steinen gebaut haben.
Eine weitere Woche im Institut: Ranran und ich recherchieren an unseren eigenen Projekten. Ich finde mein Thema superinteressant und versuche, so viel wie möglich darüber zu lesen. Beim Team Lunch haben wir Besuch aus Heidelberg!
Für das Wochenende melden wir uns dafür an, bei einer Health Fair das Huntsman Cancer Institute zu repräsentieren. Zusammen mit Carson sollen wir Leute über die Vorsorgeuntersuchungen bei verschiedenen Krebsarten informieren. Die Frage „Könnt ihr eigentlich Spanisch?“ bei unserer Ankunft kommt etwas überraschend. Es gibt hier eine riesige lateinamerikanische Community, und die Health Fair ist für sie organisiert. Ich bekomme einige komische Blicke für mein europäisches Spanisch, aber kämpfe mich tapfer durch. Ranran und Carson bekommen eine Übersetzerin zur Seite gestellt. Die Leute sind echt interessiert – es ist eine tolle Erfahrung.
Am Abend besuchen wir mit Freunden von Ranran das Street Artist Festival in Downtown SLC. Alle sind auf der Straße, und es herrscht eine tolle Stimmung. Bei den meisten Straßenkünstler*innen ist das Hauptthema Feuer. Viele Stunts sind wirklich riskant, und alle halten den Atem an.
Im Großen und Ganzen: ein erfolgreicher erster Monat. Hier sind die Fotos:















































































































