Leben nach und mit Krebs

Warum Nachsorge?
Trotz einer optimalen Therapie (Operation +/- „vorbeugende“ Chemotherapie, manchmal auch Strahlentherapie) nach der Erstdiagnose von lokalisiertem, auf dem Darmbefall selbst beschränkten Darmkrebs, kommt es, je nach der bei der Operation festgestellten Ausbreitung, bei zwischen 20 und 60% der Patienten zu einem Rückfall der Erkrankung: meist zeigen sich Absiedlungen an anderen Organsystemen oder im Bauchraum (sogenannte Metastasen), seltener weitere Tumoren im (verbliebenen) Darm selbst. Daher ist das Aufdecken eines Rezidivs – neben der Behandlung von Langzeitfolgen der Operation oder – eine der Hauptaufgaben der Nachsorge. In den letzten Jahren haben größere Untersuchungen gezeigt, dass eine intensivere Nachsorge mit einem Überlebensvorteil von bis zu mehr als 10% verbunden ist und daher das Standardvorgehen darstellt. Der nachgewiesene Überlebensvorteil beruht auf dem frühzeitigen Erkennen eines lokalen Rückfalls, bzw. der frühzeitigen Entdeckung von Metastasen und dann der Einleitung einer optimalen Behandlung, so dass dennoch eine Heilung weiter möglich ist. 2/3 der Rückfälle bei Darmkrebs treten in den ersten drei Jahren nach der Erstdiagnose auf und fast alle innerhalb der ersten fünf Jahre.

Was sollte die standardisierte Nachsorge bei Darmkrebs umfassen?

  • ein ausführliches Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung; in den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, danach alle 6 Monate
  • eine Bestimmung des CEA-Wertes in den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, danach alle 6 Monate
  • eine (komplette) Darmspiegelung im ersten Jahr nach der Diagnose, anschließend im Abstand von 3-5 Jahren
  • eine Computertomographie von Lunge und Bauchraum bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko alle 6 bis 12 Monate

Alle weiteren laborchemischen und bildgebenden Verfahren haben keinen darüber hinausgehenden Nutzen gezeigt.

Und darüber hinaus?
Langzeitüberlebende nach Darmkrebs stellen heute in den westlichen Nationen mit 11% die drittgrößte Gruppe ehemaliger Tumorpatienten dar und bedürfen einer über diese Verlaufskontrolluntersuchungen hinausgehende Unterstützung bei der Umsetzung eines nachhaltigen gesunden Lebensstils mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität, der Änderung von ungesunden Lebensstilfaktoren (Tertiärprävention), sowie in der Therapie von Begleiterkrankungen und Langzeittherapiefolgen. Eine intensive psychosoziale Begleitung ist ebenfalls zu fordern.

Was kann ich selbst dazu beitragen, um mein Rückfallrisiko zu senken?
Eine Reihe von Beobachtungsstudien konnte zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Rückfallrisiko und die Sterblichkeit bei Darmkrebs senken kann: Eine Untersuchung von Wissenschaftlern aus Boston kam z.B. zu dem Ergebnis, dass Männer nach einer Darmkrebserkrankung, die 5-6 Stunden pro Woche moderat körperlich aktiv waren, ihre tumorbedingte Sterblichkeit um die Hälfte verringerten. Empfohlen ist ein leichtes Ausdauertraining wie Nordic Walking, Radfahren oder Wandern mindestens 3 mal wöchentlich für eine Stunde bzw. 5 mal 30 Minuten. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln das Rückfallrisiko senkt. Vitamine und Spurenelemente sollten nur bei einem nachgewiesenen Mangel eingenommen werden.


Dr. Eckart von Hirschhausen “Wunder wirken Wunder”
Auszug aus seinem neuen Buch „Wunder wirken Wunder“ (2016) => Kapitel “Was würde ich tun, wenn ich Krebs hätte?”  “Wunder wirken Wunder” ist mein persönlichstes Buch, denn ich erzähle von meiner eigenen Reise zwischen Krankenhaus und Kabarett, Fernheilungsseminar und Fernsehen und warum mein linkes Knie operiert wurde – und das rechte nicht, obwohl sie beide genau gleich alt sind!” (Eckart von Hirschhausen)


info praxisteam (Augabe 3, September 2016) informiert:
Den Krebs überlebt – und jetzt?
Die Nachsorge bei onkologischen Patienten wird eine immer größere Herausforderung, da  mehr Menschen denn je den Krebs überleben. Viele Krebsarten sind inzwischen in ihrem Langzeitverlauf als chronische Erkrankungen anzusehen, da sie dank neuer Medikamente über enen längeren Zeitraum behandelbar geworden sind. Was man sonst noch tun kann, stellt das info praxisteam in einer aktuellen Beilage (Ausgabe 3, September 2016)  eindrucksvoll dar. Die Stiftung LebensBlicke ist der Redaktion dankbar, dass sie diesen Beitrag auch unserer Leserschaft zugänglich machen darf. (info praxisteam wird als Beilage in der Zeitschrift MMW Fortschritte der Medizin verschickt. Herausgeber: Springer Medizin Verlag GmbH in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband)

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