Daten und Fakten

    • 2016 waren 14.098.670 Personen anspruchsberechtigt, an gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen (FOBT, Koloskopie) und an Beratungen zur Prävention von Darmkrebs teilzunehmen; wahrgenommen haben das nur 11,4% (www.gbe-bund.de).

 

    • 2014 erkrankten 61.010 Menschen (33.120 Männer, 27.890 Frauen) in Deutschland neu an Darmkrebs (Robert-Koch-Institut 2017). 2014 starben allein in Deutschland 25.512 Menschen (13.580 Männer und 11932 Frauen) an Darmkrebs; das sind etwa 40% der Neuerkrankten (RKI 2017).

 

    • Unbehandelt führt Darmkrebs in den allermeisten Fällen innerhalb von 12 Monaten zum Tod.

 

    • Nach Prostata- und Lungenkrebs ist für Männer der Darmkrebs die dritthäufigste und nach Brustkrebs für Frauen zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland.

 

 

    • Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Vorstufen, also Wucherungen der Darmschleimhaut (Polypen bzw. Adenome). Diese nehmen insbesondere bei Menschen über 50 Jahren zu.

 

    • Darmkrebs wächst sehr langsam, meist über einen Zeitraum von 10-15 Jahren. Der oder die Erkrankte spüren ihn lange Zeit nicht.

 

    • Wenn Beschwerden oder Schmerzen auftreten, ist der Krebs oft schon sehr weit fortgeschritten bzw. hat Metastasen gebildet. Grundsätzlich gilt daher: Je früher der Krebs entdeckt wird (Stadien I und II), desto besser sind die Heilungschancen (70-95%)!

 

    • Darmkrebs ist nach jahrelanger intensiver Öffentlichkeitsarbeit kein Tabu-Thema mehr.

 

    • Seit 2002 gibt es eine erweiterte Vorsorge- und Früherkennungsregelung für gesetzlich Krankenversicherte: den Stuhlbluttest ab 50 Jahren jährlich bis 55, ab 55 die Vorsorge-Darmspiegelung mit Wiederholung nach 10 Jahren bei unauffälligem Erstbefund. Ab voraussichtlich April oder Juli 2019 werden Männer schon ab 50 Jahren zur Vorsorgedarmspiegelung eingeladen.

 

    • Der bisherige guajak-basierte Stuhltest (g-FOBT) ist seit dem 1. April 2017 in der Regelversorgung durch immunologische Stuhlteste (i-FOBT, FIT) ersetzt worden. Diese besitzen eine Spezifität von über 90% und sind 2-3mal sensitiver als der bisher verwendete g-FOBT. Ca. 145 i-FOBTs oder FITs sind erforderlich, um eine fortgeschrittene Neoplasie zu entdecken. Stuhlteste sind einfach durchführbar, nicht invasiv und haben eine nachgewiesene Senkung der darmkrebsbedingten Sterblichkeit. Grundvoraussetzung bleibt die jährliche bis zweijährige Durchführung dieser Teste.

 

    • 2013 hat der Gesetzgeber das Krebsfrüherkennungsregistergesetz (KFRG) beschlossen. Es sieht u.a. ein bundesweites Einladungsverfahren zur Darmkrebsvorsorge und -Früherkennung vor und ermöglicht die Flexibilisierung der Altersgrenzen. Die Neuregelung soll zum 1. Juli 2019 in Kraft treten.

 

    • Die Darmspiegelung ist derzeit der Goldstandard mit einer Spezifität und Sensitivität von über 95%. Die Methode ist mit einer sehr geringen Komplikationsrate (Blutung, Perforation) behaftet. Die Komplikationsrate wird von der Koloskopie-Begleitforschung in Deutschland mit etwa 0,2% angegeben. Daher kann die Koloskopie als sehr sicher angesehen werden.

 

    • Die Spiegelung wird heute in der Regel in einer Kurznarkose (Propofol ®) durchgeführt; mögliche Nebenwirkungen sind Atemdepression, ggf. kurzfristige Beatmung und ganz selten Atemstillstände mit der Notwendigkeit der Reanimation. Eine große deutsche Studie gibt diese Komplikationsrate mit 0,01-0,1% an, das heißt ein Ereignis auf ca. 10.000 bis 1.000. Die Kurznarkose erfordert ein sorgfältiges Überwachen des Patienten auch nach dem Eingriff (Pulsoxymetrie, RR-Messung).

 

    • Die Vorbereitung zur Koloskopie erfolgt durch eine sorgfältige Darmreinigung, für die es verschiedene Vorgehensweisen gibt. Sie sollten mit dem Untersucher beim Aufklärungsgespräch besprochen werden. Die Darmreinigung ist heute aufgrund besserer Anwendungsmöglichkeiten deutlich weniger unangenehm.

 

    • Durch Insufflation von CO2-Gas  anstelle von Raumluft  könnten ein Blähbauch und Bauchkrämpfe nach der Untersuchung deutlich reduziert werden.

 

    • Für die Darmspiegelung liegt inzwischen die sogenannte number needed to screen (NNS) vor: 14 Männer und 26 Frauen müssen gespiegelt werden, um eine fortgeschrittene Neoplasie zu entdecken (Pox et al., Gastroenterology 2012)

 

    • Die Früherkennungs-Darmspiegelung wird allerdings durch die Berechtigten derzeit nur wenig in Anspruch genommen: In zehn Jahren haben sich 20,1% der Frauen und 18,3% der Männer untersuchen lassen (Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung, 2013).

 

    • Einer Hochrechnung zufolge wurden in Deutschland in den ersten 10 Jahren seit Einführung der Früherkennungskoloskopie ca. 180.000 Darmkrebsfälle verhindert und mehr als 40.000 Karzinome in einem frühen Stadium entdeckt. (Brenner et. al, 2016)

 

    • Die Therapiekosten der Erkrankung liegen derzeit ohne weitere Folgekosten bei etwa einer halben Milliarde Euro/Jahr.

 

    • Besondere Aufmerksamkeit gilt Risikogruppen, die etwa 25% der Darmkrebs-Neuerkrankungen ausmachen. Dazu gehören Personen mit familiärem Risiko, bei denen nahe Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind (ca. 20%) sowie das Personen mit einem besonderen genetischen Risiko (ca. 5%) für familiären Darmkrebs. Für die Risikogruppen gelten besondere Screening-Strategien.

 

  • Erfreulich ist, dass die relative 5-Jahres-Überlebensrate aller Stadien bei  Darmkrebs zusammen bei  62% für Männer und Frauen liegt (RKI 2017).

Fragen und Antworten zum Thema Dickdarmkrebs

Print Friendly, PDF & Email