Prävention neu denken: Migration, Gesundheit und Zukunft

Wie gelingt Darmkrebsvorsorge in einer vielfältigen Gesellschaft? Diese neue Podcast-Folge zeigt, welche Rolle kulturelle Prägungen, Gesundheitskompetenz und Vertrauen spielen – und warum Prävention dort beginnt, wo Menschen verstanden werden. Eine neue Folge aus der Serie „Alarm im Darm“ mit Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke und Dr. Barbara John, Chefärztin im Bürgerspital Wertheim und Stiftungsratsmitglied. Jetzt anhören!

Gut-Studie stärkt konsequente Nachsorge nach Polypektomie

Eine aktuelle Studie von Chen et al. im Fachjournal Gut zeigt: Menschen unter 50 Jahren mit Hochrisiko-Adenomen haben nach einer Polypektomie ein vergleichbares Risiko für fortgeschrittene Darm-Neoplasien wie ältere Patientinnen und Patienten. Die Autoren empfehlen daher, die etablierten Nachsorge-Intervalle unabhängig vom Alter anzuwenden. „Die Ergebnisse unterstreichen, dass nicht das Alter, sondern das individuelle Polypenrisiko die Nachsorge bestimmen sollte“, betont PD Dr. Axel Eickhoff, Generalsekretär der Stiftung LebensBlicke. „Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Darmkrebsfälle bei jüngeren Erwachsenen ist eine konsequente Vorsorge und Nachsorge von großer Bedeutung.“ (Chen Y, Padilla Aponte J, et al. Gut 2026)

Verändert neue Ultraschalltechnik die Darmkrebsdiagnostik?

Die sogenannte extranodale Extension (ENE) und die Tumorablagerungen (TDs) haben einen großen prognostischen Wert hinsichtlich einer aggressiven Tumorbiologie und der Assoziation zu Fernmetastasen beim kolorektalen Karzinom gezeigt. So konnte nachgewiesen werden, dass einige Fernmetastasen direkt aus dem Primärtumor oder den TDs – und nicht aus den Lymphknotenmetastasen entstehen. Hochfrequenter quantitativer Ultraschall (HF-QUS) ermöglicht eine Echtzeit-, bedienerunabhängige, dreidimensionale Lymphknotenanalyse mit einer berichteten Sensitivität und Spezifität von über 85%. In Kombination mit künstlicher Intelligenz und molekularem Profiling kann er biologisch-basierte Stadieneinteilungen beim kolorektalen Karzinom ermöglichen, unnötige Operationen reduzieren und die Präzisions-Onkologie weiter verbessern. „Es bleibt abzuwarten, ob weitere klinische Studien belegen, dass die Prognose und das Langzeitüberleben von Patienten und Patientinnen mit kolorektalem Karzinom durch diese neuen Bildgebungsverfahren weiter verbessert werden kann“, so Professor Dr. Ines Gockel, Mitglied des Vorstands der Stiftung LebensBlicke. (Moreno P, et al., Cancers (Basel) 2026 Jul 2;18(13):2139. doi: 10.3390/cancers18132139)

Dr. Konstanze Blatt folgt auf Dr. Bruns an der DKG Spitze

Dr. Konstanze Blatt übernimmt zum 1. Juli das Amt der Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft und folgt damit Dr. Johannes Bruns, der nach zwei Jahrzehnten bei der DKG in den Ruhestand geht. Die promovierte Soziologin will die Patientenzentrierung stärken und die Qualität der onkologischen Versorgung weiter ausbauen. DKG-Präsident Prof. Michael Ghadimi würdigt Blatts umfassende Expertise im Gesundheitswesen und betont ihre Bedeutung angesichts aktueller gesundheitspolitischer Herausforderungen. Blatt kündigt an, die zertifizierten Zentren, die onkologischen Leitlinien sowie die Versorgungsforschung strategisch weiterzuentwickeln. Ziel sei eine evidenzbasierte Krebsversorgung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert. „Die Stiftung LebensBlicke ist sicher, mit Frau Dr. Blatt eine ebenso unterstützende Kraft in der DKG zu haben wie mit ihrem Vorgänger“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Foto: Peter Paul Weiler/DKG

Budgetierung ist Katastrophe für die Darmkrebsvorsorge!

Die Darmkrebsprävention ist seit 2002 für gesetzlich versicherte Bürger auf einem sehr guten Weg. Dank vieler Fortschritte wie z. B. dem Einladungsprogramm für alle ab 50 Jahren durch ihre Krankenkassen konnte eine signifikante Senkung der Neuerkrankungen um ca. 15.000 erreicht werden. Im Rahmen des geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes sollen nun alle Präventionsleistungen budgetiert werden. Diese Budgetierung wird die gute Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit stoppen. Ärztinnen und Ärzte können und werden bei zusätzlicher Nachfrage der Bürger ihr Angebot ohne Honorar nicht steigern! Vorsorgeleistungen sind nur bedingt planbar; sie hängen von vielen Faktoren wie der Inanspruchnahme, der individuellen Entscheidung sowie von Qualitätsanforderungen an Untersucher ab. Eine Budgetierung würde zu einer Begrenzung und damit wieder zu einer gedeckelten Versorgung kommen. „Das gilt für die Darmkrebsprävention ganz besonders und ist unter gar keinen Umständen hinzunehmen. Die Stiftung LebensBlicke weist daher diese Forderung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes entschieden zurück. Prävention, gerade die Darmkrebsprävention darf nicht budgetiert werden!“, so Professor Dr. J. F. Riemann, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung LebensBlicke.