Nach der Enddarmkrebs-OP noch eine Chemotherapie?

Eine französiche Studiengruppe (Denost et al.) untersuchte 489 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Enddarmkrebs. Sie verglich, ob eine zusätzliche Chemotherapie nach der OP einen Vorteil bringt – insbesondere dann, wenn bereits vor der OP eine intensive Radio-Chemotherapie durchgeführt wurde. Die wichtigsten Ergebnisse: Wenn vor der OP eine kombinierte Bestrahlung und Chemotherapie erfolgte, hatten Patient:innen mit Krebszellen in den Lymphknoten nach der OP bessere Behandlungsergebnisse, wenn sie zusätzlich eine Chemotherapie erhielten. Wenn bereits vor der OP eine intensive Chemotherapie (FOLFIRINOX) und anschließend eine Bestrahlung durchgeführt wurde, ließ sich durch eine weitere Chemotherapie nach der OP kein eindeutiger zusätzlicher Vorteil nachweisen. Bei Patient:innen ohne  Lymphknotenbefall nach der Vorbehandlung zeigte sich ebenfalls kein statistisch gesicherter Vorteil einer zusätzlichen Chemotherapie. Die Ergebnisse bedeuten konkret, dass Betroffene, die bereits vor der OP eine intensive Chemotherapie (TNT = Totale Neoadjuvante Therapie) erhalten haben, möglicherweise nicht automatisch eine weitere Chemotherapie danach benötigen. Dadurch könnten unnötige Nebenwirkungen vermieden werden. Ob auf die zusätzliche Behandlung verzichtet werden kann, muss allerdings individuell anhand der Befunde und des Rückfallrisikos entschieden werden. „Kritisch anzumerken ist, dass die Studie zwar Zusammenhänge aufweist, nicht jedoch definitiv beweist, dass eine zusätzliche Chemotherapie nach einer intensiven Vorbehandlung grundsätzlich überflüssig ist. Die Ergebnisse müssen deshalb im Zusammenhang mit der gesamten Behandlungssituation bewertet werden“, kommentiert Prof. Dr. Ines Gockel vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke (Denost Q, Rouanet P, Teruel E et al. Oncological impact of adjuvant chemotherapy after rectal cancer excision in the era of FOLFIRINOX-based TNT: A pooled post-hoc analysis of GRECCAR4-PRODIGE23. Eur J Cancer. 2026 Oct 16;247:117046. doi: 10.1016/j.ejca.2026.117046. Epub 2026 Sep 11. PMID: 42743888).

Kontroll-Endoskopie bei Risiko-Adenomen erst später?

Bisher war es gemäß den Leitlinien üblich, bei Hoch-Risiko-Adenomen eine Kontrollendoskopie nach 3 Jahren durchzuführen. Das könnte sich jetzt ändern. Eine randomisierte Studie, durchgeführt von R. Jover et.al., Alicante, publiziert im NEJM (NEJM 2026; DOI: 10.1056/NEJMoa2603816) kommt jetzt zu dem Schluss, dass ein Untersuchung-Intervall von 5 Jahren ausreichen würde. Das Darmkrebsrisiko bliebe überschaubar, auch nach der Entfernung von besonders riskant eingestuften serratierten Polypen. (NEJM 2026; DOI: 10.1056/NEJMc2605026). Zusammenfassung: Standard in der Darmkrebsfrüherkennung ist die Vorsorgekoloskopie. Die Untersuchung ist jedoch relativ kostspielig und für die zu untersuchenden Personen nicht immer so angenehm. Es würde deshalb Sinn machen, die Zahl der Untersuchungen zu begrenzen. Dies gilt insbesondere für die Folgeuntersuchung nach der Entdeckung von Hoch-Risiko-Adenomen. Dr. H. Meyer – Stiftung Lebensblicke. Quelle: Deutsches Ärzteblatt 8.10.2026

Darmkrebsprävention darf nicht ausgebremst werden!

Die Stiftung LebensBlicke wendet sich mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann und warnt eindringlich vor Einschränkungen wirksamer Präventionsleistungen. Anlass sind die Regelungen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes und die aktuelle öffentliche Diskussion um eine stärkere Präventionsorientierung im Gesundheitswesen. Die Stiftung unterstützt ausdrücklich die Forderung nach einer Präventionswende. Zugleich weist sie darauf hin, dass gerade die Darmkrebsprävention auf einem erfolgreichen Weg sei. Darmkrebsinzidenz und -mortalität konnten so in den vergangenen Jahren signifikant reduziert werden. Eine Budgetierung könnte diese positive Entwicklung gefährden und die Inanspruchnahme wirksamer Vorsorgeleistungen begrenzen. Besonders kritisch sieht die Stiftung einen Widerspruch im bestehenden System: Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Versicherten regelmäßig zur Teilnahme am Darmkrebsscreening einzuladen und sie zur Vorsorge zu motivieren. Steigt dadurch die Inanspruchnahme, drohen den Leistungserbringern nach Auffassung der Stiftung jedoch finanzielle Begrenzungen. „Prävention, die Sicherheit schafft und Krankheitskosten senkt, darf nicht budgetiert werden!“, heißt es in dem offenen Brief. Die Stiftung bezeichnet die vorgesehene Budgetierung insbesondere mit Blick auf die erfolgreiche Darmkrebsprävention als gravierenden Rückschritt. Darüber hinaus erinnert die Stiftung daran, dass sie bereits zuvor die Forderung namhafter Mediziner unterstützt hat, ein Grundrecht auf Gesundheit im Grundgesetz zu verankern. Damit sollen Prävention, gesundheitliche Aufklärung und Krankheitsvermeidung verbindlich gestärkt werden.

Darmkrebs durch gestörte Mikrobiota-Interaktionen?

Die bakterielle Zusammensetzung des Darminhalts ist vielfältig und im Normalfall ausgeglichen. Fehlanpassungen von Interaktionen mit der Folge von Störungen der Homöostase zwischen verschiedenen Darmbakterien können eine Rolle bei der Entstehung von kolorektalen Karzinomen spielen. Chinesische Autoren haben eine gestörte antagonistische Interaktion zwischen dem Faecalibacterium prausnitzii und Bacteroides fragilis gefunden. Diese gestörte mikrobiellen Homöostase war in Stuhlproben von Patienten mit Kolonkarzinom charakterisiert durch die Bacteroides fragilis vermittelte gesteigerte Tumorprogression gegenüber einer antagonistisch wirkenden Reduktion von Faecalibacterium prausnitzii. „Diese interessante Studie ist ein weiterer Hinweis dafür, dass den Mikrobiota im Darm eine wichtige Rolle bei der Entstehung von kolorektalen Karzinomen zukommt“, urteilt Prof. J. F. Riemann, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung LebensBlicke (Kong Ch, Jin Y, Guo F et al. Revealing the Antagonistic Interactions of Faecalibacterium prausnitzii and Bacteroides fragilis in Colorectal Cancer. Gastroenterology 2026;170:1501-1517).

FDA unterstützt Galleri-Bluttest zur Krebsfrüherkennung

Vielleicht gibt es einen zusätzlichen Lichtblick am Ende des Tunnels der Krebsfrüherkennung. Ein Beratungsgremium der US-Arzneimittelbehörde FDA hat sich für den neuen Krebs-Bluttest „Galleri“ ausgesprochen. Der Test gehört zu den sog. Multi-Cancer-Early-Detection-Tests (MCED). Mit einer einzigen Blutprobe sucht der Test anhand von Methylierungsmustern zellfreie, von Tumoren stammende DNA nach Signalen verschiedener Krebsarten. Nach Angaben des Herstellers können Hinweise auf mehr als 50 Krebsarten erfasst werden. Jedoch sind einige wissenschaftliche Fragen noch offen. Ein positives Ergebnis stellt deshalb noch keine Krebsdiagnose dar und muss durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden. Jetzt sind die endgültigen Daten der Studie im New England Journal of Medicine erschienen (2026; DOI: 10.1056/NEJMoa2505723). Es zeigte sich, dass nach drei Screening-Runden die Häufigkeit von Stadium-IV-Krebsen bei zwölf vorab festgelegten Krebsarten im MCED-Arm geringer waren. In einer weiteren Studie wurde die Krebsdetektionsrate von Galleri (Nature Medicine 2026, DOI: 10.1038/s41591-026-04618-w) untersucht. Fazit der Autoren ist, dass randomisierte Studien eine längere Nachbeobachtung erfordern, um den klinischen Nutzen von MCED-Tests zu beurteilen. Insbesondere sei weiterhin offen, ob eine frühere Erkennung durch Galleri zu einer niedrigeren Krebssterblichkeit führe. Resümee einer Arbeitsgruppe vom Department of Medical Oncology des Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School: es gibt einige wichtige Antworten zum Thema Krebsfrüherkennung, aber auch noch einige offene Fragen. (Nature Medicine 2026, DOI: 10.1038/s41591-026-04688-). Dr. H. Meyer – Stiftung Lebensblicke (Quelle: Deutsches Ärzteblatt 6.10.2026)