Darmkrebsfrüherkennung wirkt – nur wenige nehmen teil

Die Sinnhaftigkeit einer rechtzeitigen Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung steht außer Frage. Leider sind diese Erkenntnis und die persönliche Bereitschaft zu einer Untersuchung in der Bevölkerung nicht sehr verbreitet. Das belegen jetzt Zahlen, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seinem Evaluationsbericht 2025 „Darmkrebs“ vorgestellt hat. Zwischen 2020 und 2023 erhielten durchschnittlich 89,5 % der anspruchsberechtigten Versicherten (Personen ab 50 Jahren) ein Einladungsschreiben ihrer Krankenkasse. Die Resonanz war leider bescheiden. Weniger als 7 % der Eingeladenen ließen sich innerhalb der ersten drei Monate nach Erhalt des Schreibens untersuchen. Die Teilnahme am Screening blieb insgesamt niedrig. Bei den 50- bis 54-Jährigen lag die jährliche Teilnahmerate am iFOBT bei Männern zwischen 3,2 Prozent und 3,8 Prozent, bei Frauen zwischen 11,9 Prozent und 13,6 Prozent. In der Altersgruppe ab 55 Jahren stiegen die Zweijahresteilnahmeraten im Beobachtungszeitraum leicht an, erreichten zuletzt jedoch lediglich 7,8 Prozent bei Männern und 10,1 Prozent bei Frauen. Das sind gesellschaftliche Herausforderungen, die alle (z.B. Krankenkassen, Ärzteverbände, Deutsche Krebshilfe, Gastro-Liga, etc.) angehen. Verbesserungen des Einladungsverfahrens könnten nach Einschätzung der Arbeitsgruppe dazu beitragen, die Beteiligung am Screening zu erhöhen. Das steht im Einklang mit den langjährigen Forderungen des Vorsitzenden der Stiftung Lebensblicke, Prof. Dr. J. F. Riemann, ganz unter dem Motto des Darmkrebsmonat 2026: Ein kleiner Schritt zur Darmkrebsvorsorge – ein großer fürs Leben! Dr. H. Meyer für die Stiftung LebensBlicke, Quelle: Deutsches Ärzteblatt 1.6.2026

Rome-V-Kriterien für Störungen der Darm-Hirn-Interaktion

Funktionelle Störungen des Verdauungstrakts, die lästige gastrointestinale Symptome wie Schmerzen, Blähungen Unwohlsein etc. verursachen, haben Generationen von Klinikerinnen und Wissenschaftlern beschäftigt. National wie international sind zahlreiche Konferenzen (erster Tagungsort Rom) abgehalten worden, wo über Jahre versucht wurde, nicht nur das Verständnis für diese zunächst nur als Motilitätsstörung angesehenen Symptome zu verbessern, sondern auch Kriterien für Diagnose und Therapie zu entwickeln. Das hat jetzt zu einer Neuklassifikation geführt, die internationale Experten in einem lesenswerten Beitrag unter dem Begriff „Rome-V-Kriterien“ zusammengefasst haben. Sie geben Einblick in die neuesten Definitionen der verschiedenen Störungen auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Literatur, bieten neue Informationen über den Einfluss von Diät, Darmflora und Einflüsse auf die Darm-Hirn-Achse an und weisen auf biopsychosoziale Zusammenhänge und Geschlechtsunterschiede hin. Das Besondere ist, dass sie klare und nachvollziehbare Anleitungen für das wichtige Arzt-Patienten-Gespräch geben, das ganz wesentlich darauf abzielt, Patienten nicht unnötig zu stigmatisieren. „Von daher ist dieser Artikel jedem gastroenterologisch tätigen Arzt zu empfehlen, der sich mit diesen im Alltag sehr häufigen Krankheitsbildern zu befassen hat“, kommentiert Prof. Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke (Drossmann DA, Chang L, Tack J. „Disorders of the Gut-Brain Interaction and the Rome V Process“. Gastroenterology 2026; 170: 1093-1098).

Risiko für Darmkrebs zuverlässig abschätzen

Eine aktuelle internationale Studie um Leonardo Frazzoni zeigt, dass sich das Risiko für Darmkrebs bereits vor einer Koloskopie anhand weniger klinischer Faktoren zuverlässig abschätzen lässt. Die Studie umfasst mehr als 5.000 Patienten aus 19 italienischen Zentren und entwickelte den sogenannten PROMOTE-Score, der das individuelle Darmkrebsrisiko vor einer Koloskopie abschätzt. Ziel war nicht die Bewertung der Vorsorgekoloskopie an sich, sondern die bessere Priorisierung begrenzter endoskopischer Ressourcen und die Vermeidung unnötiger Untersuchungen. Höheres Alter, fehlende Koloskopie in den letzten 10 Jahren und dringliche Indikationskriterien waren die stärksten Prädiktoren für das Vorliegen eines kolorektalen Karzinoms. Patienten der Hochrisikogruppe hatten eine deutlich höhere Karzinomrate und profitierten besonders von einer zeitnahen Koloskopie. Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Bedeutung einer risikoadaptierten Darmkrebsvorsorge. „Für die Stiftung LebensBlicke bleibt die Botschaft klar: Die beste Vorsorge ist die rechtzeitige Teilnahme an den empfohlenen Früherkennungsmaßnahmen“, so PD Dr. Axel Eickhoff, Generalsekretär der Stiftung LebensBlicke. (Frazzoni L, Spada C, Manes G et al. Development of the PROMOTE model to stratify colorectal cancer risk for prioritization of colonoscopy resource use: a multicenter prospective study. Endoscopy 2026; 58: 397–406.)

Roboter-gestützte versus minimal-invasive Chirurgie

Beim Enddarmkrebs im mittleren und unteren Abschnitt kann die Operation entweder mit herkömmlicher Schlüsselloch-Chirurgie (Laparoskopie) oder mit Unterstützung eines Operationsroboters durchgeführt werden. Eine Analyse von vier hochwertigen Studien mit insgesamt fast 2.000 Patienten zeigte, dass die roboter-gestützte Operation den Tumor häufiger vollständig entfernen konnte (Resektionsqualität) und seltener auf eine offene Operation umgestellt werden musste. Komplikationen während oder kurz nach der Operation waren in beiden Gruppen ähnlich häufig. Erste Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass nach einer roboter-gestützten Mastdarm-OP lokale Rückfälle seltener auftreten und Patienten etwas länger ohne erneutes Auftreten der Erkrankung leben könnten (onkologische Ergebnisse). Ein Vorteil beim Gesamtüberleben konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. „Die Studie spricht insgesamt für eine bessere Operationsqualität mit der Robotertechnik, während die langfristigen Vorteile weiter untersucht werden müssen“, kommentiert Professor Ines Gockel vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke (Gosavi R, Smith B, Mealy A et al. Resection quality and oncologic outcomes after robotic versus laparoscopic total mesorectal excision for mid and low rectal cancer: a systematic review and meta-analysis of randomized trials.  J Robot Surg. 2026 Jun 1;20(1):561. doi: 10.1007/s11701-026-03541-z. PMID: 42223567).

Nachsorge Polypektomie: Empfehlungen eingehalten?

Österreichische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben untersucht, wie gut Ärztinnen und Ärzte die empfohlenen Kontrollintervalle nach Entfernung von Darmpolypen einhalten. Dafür wurden mehr als 90.000 Vorsorgekoloskopien aus einem österreichischen Qualitätsprogramm ausgewertet. Darmpolypen gelten als Vorstufen von Darmkrebs. Nach ihrer Entfernung ist es wichtig, die nächste Darmspiegelung zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Erfolgt die Kontrolle zu früh, entstehen unnötige Belastungen für Patientinnen und Patienten sowie für das Gesundheitssystem. Erfolgt sie zu spät, könnten neu entstandene Veränderungen übersehen werden. Deshalb geben Fachgesellschaften genaue Empfehlungen für die Nachsorgeintervalle heraus. Weiterlesen