Früh-KRK: Nicht-kurative ESD – Resektion vs. Überwachung

Die Therapie-Strategie nach nicht-kurativer endoskopischer Submukosa-Dissektion (ESD) eines kolorektalen Frühkarzinoms ist kontrovers. In einem systematischen Review von Literaturdaten haben Autoren um Cesare Hssan untersucht, ob eine zusätzliche chirurgische Nachresektion oder die konsequente endoskopische Nachsorge Unterschiede aufweisen. In die Studie eingeschlossen waren die individuellen Daten von 815 Patienten. Die Studie ergab, dass die zusätzliche chirurgische Resektion mit einem besseren Gesamtüberleben verbunden war, nicht aber mit einem krebsspezifischen. Parameter wie die spätere Rezidivrate waren nicht signifikant unterschiedlich, während die lokale Rezidivrate nach chirurgischer Resektion deutlich niedriger war. Die Autoren folgern, dass diese Ergebnisse eine individualisierte Entscheidung in der Behandlung von nicht-kurativ entfernten kolorektalen Frühkarzinomen nach ESD haben müsse. Es müsse zwischen dem chirurgischen und dem lokalen Rezidivrisiko abgewogen und in einer solchen Situation der Patienten Wunsch berücksichtigt werden. Das gelte  besonders für Patienten in fortgeschrittenem Alter und Komorbiditäten. „Diese Schlussfolgerung können wir nur unterstützen. Sie liegt voll im Trend der individualisierten Präzisionsmedizin“, kommentiert Prof. Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Lebensblicke (Al Hayek M, Sawaf B, Capogreco A et al. Additional Surgery versus Surveillance After Non-curative ESD for Early Colorectal Cancer: A Systematic Review and Reconstructed Individual Patient Data Meta-analysis. Gastrointest Endosc 2026 https://doi.org/10.1016/j.gie.2026.08.052

Große Unruhe bei den niedergelassenen Gastroenterologen

Die Bundesregierung und der Bundestag haben durch das Beitragsstabilisierungsgesetz (Juli 2026) alle Präventionsleistungen ab Januar 2027 budgetiert (gedeckelt). Als Ausgangsjahr wird das Jahr 2025 angesetzt. Sollte die Nachfrage nach der Darmkrebsvorsorge zunehmen, dann bleiben zusätzliche Leistungen ab 2027 unbezahlt. Unsicherheit und Ratlosigkeit macht sich bei den niedergelassen Gastroenterolgen breit. Dies drückte sich in der hohen Teilnehmerzahl in der Mitgliederversammlung des bng während des Viszeralmedizin-Kongresses in Hamburg im September 2026 aus. Eine erste Versammlung am 17.9.2026 musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Einer kurzfristig angesetzte 2. Versammlung am 18.9.2025 folgten erneut > 150 niedergelassene Gastroenterologinnen und Gastroenterologen. Dr. Ulrich Tappe – Vorsitzender des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen (bng) – wies auf die zu erwartenden sehr unterschiedlichen Regelungen in den regionalen Honorarverteilungsmaßstäben hin. Die Prognose des bng-Vorstands für die Praxen insgesamt liegt bei einem Honorarverlust von 3 bis 10 Prozent gegenüber 2025. Eine Zunahme der Wartezeiten auf die Vorsorgekoloskopie ist durch die Fallzahlbegrenzung/Budgetierung zu erwarten. Die Werbung für die Darmkrebsprävention wird durch die aktuelle Gesetzgebung konterkariert. Im Jahr 2025 konnten noch 9% (ca. 60.000) mehr GKV-Versicherte motiviert werden, sich einer Vorsorgekoloskopie im Vergleich zu 2024 zu unterziehen. Dr. Dietrich Hüppe, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke.

Hoher Verdienstorden der Bundesrepublik für Dr. Eva Lohse

Die Stiftung LebensBlicke gratuliert Dr. Eva Lohse sehr herzlich zur Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Auszeichnung wurde ihr in Mainz durch Ministerpräsident Gordon Schnieder überreicht (Abb.). Mit dieser höchsten Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland würdigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das langjährige ehrenamtliche Engagement und die besonderen Verdienste von Dr. Eva Lohse um das Gemeinwohl.
Für die Stiftung LebensBlicke ist diese Ehrung ein besonderer Anlass zu Freude und Dankbarkeit. Während ihrer 16-jährigen Amtszeit als Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen war Dr. Eva Lohse eine verlässliche Unterstützerin und engagierte Fürsprecherin, z. B. als langjährige Gastgeberin der jährlichen Auftakt-Pressekonferenz zum Darmkrebsmonat März. Auch über ihre Amtszeit hinaus bleibt Dr. Eva Lohse dem bürgerschaftlichen Engagement eng verbunden. Besonders hervorzuheben ist ihr Einsatz für das Festival des Deutschen Films auf der Parkinsel Ludwigshafen, das sich zu einer weit über die Region hinaus bekannten kulturellen Institution entwickelt hat. Dieses Engagement steht beispielhaft für ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt und ihr kontinuierliches Wirken für das Gemeinwohl. „Frau Dr. Eva Lohse hat die Ideen und Ziele der Stiftung LebensBlicke über viele Jahre unterstützt und gefördert. Für diese wertvolle Begleitung sind wir ihr sehr dankbar. Die Verleihung des Verdienstordens ist eine hochverdiente Anerkennung ihres langjährigen Wirkens für unsere Stadt und darüber hinaus“, erklärt Prof. Dr. J.F. Riemann Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke. (Foto: RLP/Pilkowski)

Ernst von Leyden Abstractpreis 2026 an PD Dr. Claudia Ott

Der Ernst von Leyden Abstractpreis 2026 der Stiftung LebensBlicke geht in diesem Jahr an Privatdozentin Dr. Claudia Ott von der Gastroenterologie im Facharztzentrum Regensburg. Der Preis wurde auf der Jahrestagung Viszeralmedizin 2026 vom Vorstandsvorsitzenden der Stiftung LebensBlicke Professor Dr. J. F. Riemann überreicht. Frau Ott und ihr Team wurden für den Beitrag zur steigenden Prävalenz kolorektaler Adenome bei Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren ausgezeichnet. Diese retrospektive Analyse hat deutlich gezeigt, dass auch bei unter 50-jährigen über einen Zeitraum von über zehn Jahren ein Anstieg kolorektaler Adenome zu beobachten war. Die Prävalenz stieg bei Frauen von 8 % auf 15,1 %, bei Männern von 13,4 % auf 19,3 %. Die Stiftung LebensBlicke zeichnet damit eine Arbeitsgruppe aus der ambulanten fachärztlichen Versorgung aus, die die Darmkrebsprävention in der Regelversorgung konsequent im Blick hat, sich darüber hinaus jetzt auch einer jüngeren Lebensdekade zuwendet. „Sollten sich diese Daten in weiteren Studien bestätigen, wird es sicher Diskussionsbedarf über die Senkung der Altersgrenzen für die Darmkrebsprävention geben“, unterstreicht Prof. Dr. Riemann.

Darmkrebs-Früherkennung und sozioökonomische Faktoren

Trotz des Einladungsverfahrens durch die Krankenkassen ist die Teilnahmerate an den angebotenen Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen auch weiterhin sehr moderat. Untersuchungen zum Einfluss von sozioökonomischen Faktoren wie Beschäftigung, Schul- und Berufsbildung auf die Inanspruchnahme der Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen zeigen deutliche Unterschiede. Bei niedriger Beteiligung (insgesamt 11,4% , Frauen 13,8%, Männer 8,4% der Anspruchsberechtigten) lag die Beteiligung bei Beschäftigten deutlich höher gegenüber Bürgergeldempfängern. Personen mit (Fach-)Abitur nahmen häufiger teil als solche ohne Schulabschluss; weniger ausgeprägt war das Verhältnis bei Menschen ohne beruflichen Bildungsabschluss im Vergleich zu Personen mit Berufsausbildung. Diese Studie zeigt für die Autoren deutlich, dass diese heterogene Inanspruchnahme der Darmkrebs-Frühuntersuchungen die gesundheitliche Ungleichheit verstärkt. Sie mahnen an, dass daraus Maßnahmen wie bessere Aufklärung erfolgen müssen, die gruppenspezifisch sein und vor allem wegen des Ausländeranteils mehrsprachig und einfacher sein müssten. „Die Stiftung LebensBlicke teilt diese Konsequenz mit großem Nachdruck. Sie sieht aber auch durch die Rücknahme extrabudgetärer Leistungen wie der Vorsorgekoloskopie eine deutliche Verschlechterung in der Versorgung, die auch die Schlussfolgerung aus dieser Studie konterkariert“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke (Stahmeyer JT, Meißner I, Dreier M et al. Inanspruchnahme von Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen und der Einfluss sozioökonomischer Faktoren. Z. Gastroenterol 2026; 64: 1050-1058).