Metabolom-Muster und ultra-verarbeitete Lebensmittel

In einer aktuellen Gut-Arbeit (online-first) untersuchte ein Forschungsteam von der Harvard Medical School in Boston, ob sich ein typisches Blut-Metabolom-Muster für den Verzehr von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln (UPF) ableiten lässt – und ob dieses Muster mit dem Risiko für Darmkrebs zusammenhängt (1). Dazu wurden Ernährungsdaten (Food-Frequency-Questionnaires) und eine umfangreiche Metabolomik aus Blutproben in zwei großen US-Kohorten (Nurses’ Health Study und Health Professionals Follow-up Study) kombiniert. Aus 222 Metaboliten wurde ein UPF-assoziiertes Muster aus 50 Metaboliten (v. a. Lipide und Aminosäuren) entwickelt und validiert. Im anschließenden prospektiven Fall-Kontroll-Vergleich (686 Darmkrebsfälle mit passenden Kontrollen) war ein hoher UPF-Metabolom-Score mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden: Personen im höchsten Quintil hatten gegenüber dem niedrigsten Quintil eine Odds Ratio von 1,71. „Die Studie liefert damit biologische Hinweise darauf, über welche Stoffwechselwege ultra-verarbeitete Ernährung zur Darmkrebsentstehung beitragen könnte. Für die Prävention unterstreicht sie die Bedeutung, ultra-verarbeitete Produkte zu reduzieren und stattdessen stärker auf frische, wenig verarbeitete Lebensmittel zu setzen“, kommentiert Dr. Lukas Welsch vom Vorstand der Stiftung Lebensblicke.
1. Du M, Wang X, Hang D et al. Metabolomic pattern of ultra processed food intake and its association with colorectal cancer risk. Gut Published Online First: 24 December 2025. doi: 10.1136/gutjnl-2025-335618.

Resektion mit kalter Schlinge – nicht immer die bessere Wahl

Die Resektion mit der kalten Schlinge (Cold Snare) hat sich in den vergangenen Jahren als sichere und effektive Methode für kleinere kolorektale Läsionen bis 10 mm sowie für serratierte Adenome etabliert. Besonders geschätzt wird sie aufgrund der deutlich geringeren Blutungsrate im Vergleich zur Heißschlingenresektion. Eine aktuelle randomisierte, multizentrische (Pohl H, Rex DK, Barber J et al. Gut 2025;74 https://doi.org/10.1136/gutjnl-2025-335075 ) zeigt jedoch, dass die Cold-Snare-Technik nicht uneingeschränkt auf größere Läsionen übertragbar ist. Bei Polypen mit einer Größe von ≥ 20 mm führte die kalte Schlinge nicht zu einer geringeren Komplikationsrate. Im Gegenteil: Die Rezidivrate lag nach Kaltresektion mit 27,6 % deutlich höher als nach Heißschlingenresektion (13,6 %). Für Priv. Doz. Dr. Axel Eickhoff, Generalsekretär der Stiftung LebensBlicke, sind die Studienergebnisse klar: „Für Läsionen über 20 mm bleibt die Heißschlingenresektion weiterhin der Standard, um eine möglichst vollständige und nachhaltige Entfernung zu gewährleisten.“

Gute Zahlen: Überlebenschancen beim Darmkrebs steigen

Das Robert Koch Institut (RKI), die biomedizinische Leitforschungseinrichtung der Bundesregierung, präsentiert gute Nachrichten: Die Überlebenschancen bei Krebs steigen. Ausgewertet wurden in der aktuellen Fassung die Krebsneuerkrankungen aus den Jahren 2021 bis 2023 (RKI – Krebs in Deutschland – 2021–2023). Im Jahre 2021 lag die Rate der Darmkrebsdiagnosen bei 56.600 und zwei Jahre später bei 55.300.  Diese Zahl ist kleiner als beim Prostatakrebs (79.000 Fälle), Brustkrebs (75.900 Fälle) und Lungenkrebs (58.300 Fälle). Dabei ging die Sterberate bei Patienten mit Darmkrebs von 23.016 im Jahre 2021 auf 22.670 im Jahre 2023 zurück. Diese erfreulichen Zahlen für die Darmkrebserkrankung haben mehrere Ursachen. Zum einen hat sicher die Herabsetzung des Alters bei der koloskopischen Vorsorgeuntersuchung bei Frauen von 55 auf 50 mit dazu beigetragen. Auch die größere Verfügbarkeit und Anwendung eines Stuhltests ist sicher ein Grund. Den größten Effekt muß man aber den vielfältigen Aufklärungskampagnen gegen das „Schmuddel-Image“ der koloskopischen Untersuchung beimessen. Hier hat die Stiftung Lebensblicke, unter ihrem Vorsitzenden Prof. J.F. Riemann, einen wesentlichen und unschätzbaren Beitrag geleistet. Text: Dr. H. Meyer – Stiftung Lebensblicke, Quelle: ZDF | 16.12.2025 | www.zdfheute.de/wissen/.

Metaanalyse: Robotergestützte oder offene simultane OP?

Lebermetastasen können entweder synchron, d.h. zum Zeitpunkt der Erstdiagnose der Darmkrebserkrankung oder metachron während der Nachbeobachtung nach Resektion des Krebses auftreten. Oliveira Trindade et al. haben in einer aktuellen Metaanalyse untersucht, ob die robotergestützte oder die offen-chirurgische simultane OP von kolorektalem Karzinom und Lebermetastasen besser sei. Hierzu wurden 4 Studien mit 1.722 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, von denen n=210 (entsprechend 12,2%) robotisch-assistiert operiert wurden. Alle anderen Patientinnen und Patienten wurden einer konventionell-offenen OP unterzogen. Diese fungierten als Kontrollgruppe. Perioperative Parameter sowie die postoperativen Komplikationsraten zwischen beiden Gruppen wurden analysiert und miteinander verglichen. Nach robotischer OP kam es zu signifikant geringeren Blutverlusten, der postoperative Krankenhausaufenthalt war relevant kürzer, die OP-Zeit in der robotisch-operierten Gruppe jedoch länger. Komplikationen an der Nahtverbindung (sog. Anastomosen-Undichtigkeit) sowie Gallefisteln unterschieden sich in beiden Gruppen nicht signifikant. Die Autoren schlussfolgern, dass der robotische Zugangsweg bessere OP-Ergebnisse erzielen könnte als der offene. Die Studie legt zwar nahe, dass die robotische, kombinierte OP von kolorektalem Karzinom und simultanen Lebermetastasen Vorteile insbesondere in der nachoperativen Phase und der Rekonvaleszenz erbringen könnte, analysiert jedoch nicht den wichtigen Parameter des Langzeitüberlebens. Somit sind weitere Untersuchungen und Studien dringend erforderlich, um abschließend eine Wertigkeit der unterschiedlichen chirurgischen Verfahren vornehmen zu können. (Robotic versus Open for Simultaneous Surgery of Colorectal Cancer and Liver Metastases: a Meta-Analysis – JSLS 2025 29(3):e2025.00047) Text: Prof. Ines Gockel, Vorstandsmitglied der Stiftung Lebensblicke.

Wissenschaftspreis „Walter-Siegenthaler-Medaille in Silber“

Zur Förderung des ärztlichen wissenschaftlichen Nachwuchses schreibt die Walter-Siegenthaler-Gesellschaft für das Jahr 2026 erneut drei Wissenschaftspreise für herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu aktuellen Themen der Inneren Medizin aus. Jeder Preis ist mit einer Silbermedaille sowie einem Geldbetrag von 2.000 Euro dotiert. Die Arbeiten sind zusammen mit einem Curriculum Vitae bis zum 28. Februar 2026 als PDF beim Generalsekretär der Walter-Siegenthaler-Gesellschaft, Prof. Dr. Udo Sechtem, per Mail einzureichen. Bei englischsprachigen Arbeiten wird eine 1- bis 2-seitige deutsche Zusammenfassung erbeten. Weitere Details siehe Ausschreibung.