
Die NordICC-Studie hat Zweifel an der Effizienz der Vorsorgekoloskopie gesät. Die Autoren hatten nach einem medianen Follow-up von 10 Jahren zwar eine signifikante KRK-Inzidenzreduktion von 18% berichtet; die Mortalität war aber nicht signifikant niedriger. In zahlreichen Kommentaren und Studien sind Zweifel an der Methodik und an der Analyse aufgekommen. Auch die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Hermann Brenner (DKFZ Heidelberg) hat sich mehrfach dieser Studie gewidmet, so auch in ihrer neuesten Arbeit. Aus einer vergleichenden Analyse mit anderen randomisierten Studien, so mit der NORCCAP Studie, haben sie den Schluss gezogen, dass die nicht gesunkene Mortalität die unzureichende Follow-up Zeit widerspiegelt, da in vergleichbaren Studien spätestens nach 9 Jahren die Mortalität zu sinken beginnt. „Man darf gespannt, aber auch sicher sein, dass die 20-Jahresauswertung der NordICC-Studie ein deutlich anderes Ergebnis zeigen wird“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Lebensblicke (Brenner H, Sergeev D, Heisser Th et al. Effect of Screening Colonoscopy on Colorectal Cancer Mortality: Lessons From Comparative Analyses of Randomized Trials. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2025;0:1-4).



Die chirurgische Behandlung des Mastdarmkrebses ist komplex aufgrund seiner besonderen Lage im kleinen Becken mit enger Nachbarschaft zu Nerven, welche für die Stuhl- und Urinkontinenz sowie für die Sexualfunktion verantwortlich sind. Vorteile der robotischen Chirurgie sind die bessere intraoperative Visualisierung und die präzisere Präparationsmöglichkeit durch bessere Abwinkelung der Instrumente auf engem Raum. Dies führt potentiell zu größerer onkologischer Radikalität bei gleichzeitigem Erhalt der wichtigen nervalen Strukturen im kleinen Becken. Die robotische Chirurgie beim Rektumkarzinom wird bereits breitflächig angewandt. Daten zu den onkologischen Langzeitergebnissen, insbesondere zu den funktionellen Resultaten nach OP, fehlen jedoch noch. Die REAL-Studie aus China hat die 3-Jahresergebnisse der robotischen mit der „konventionellen“ minimal-invasiven (laparoskopischen) Chirurgie beim Mastdarmkrebs (im mittleren und unteren Drittel lokalisiert) verglichen. Insgesamt konnten 1.240 Patientinnen und Patienten aus 11 Zentren eingeschlossen werden. Es wurden das lokale Wiederkehren des Krebses, das krankheitsfreie und das Gesamt-Überleben, die Urin- und Stuhlinkontinenz sowie die sexuelle Funktionsstörung evaluiert. Die robotische Chirurgie führte zu signifikant besseren Langzeitergebnissen beim Mastdarmkrebs im unteren und mittleren Drittel – verglichen mit der „konventionellen“ minimal-invasiven Chirurgie. Neben den onkologischen Resultaten sind hier auch die funktionellen Ergebnisse (Kontinenz von Urin und Stuhl) sowie die sexuelle Funktion von Relevanz. Text: Prof. Dr. Ines Gockel, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke. (