Beteiligung an der Vorsorge ist höher als behauptet!

Oft wird behauptet, die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge in Deutschland sei mit 2% im Jahr sehr gering. Die Darmkrebsvorsorge habe ein Akzeptanzproblem. Gleichzeitig ist die Inzidenz bei Darmkrebs in den letzten 20 Jahren um > 30% und die Mortalität um 45-50% gesunken! Wie passen diese widersprüchlichen Informationen zusammen? Was sind die Fakten? Die „Gesundheitsforen“ in Leipzig (GFL), die das Darmkrebsvorsorge und Früherkennungsprogramm wissenschaftlich begleiten, berichten (1): 33 Millionen GKV-Versicherte ab 50 Jahren sind theoretisch insgesamt anspruchsberechtigt. Es ist nicht bekannt, wer in den letzten 23 Jahren tatsächlich sich einer Koloskopie oder einem iFOBT unterzogen hat. Bekannt ist aber, dass ca. 15 Millionen Versicherte innerhalb von 4 Jahren (2020-2023) durch ihre Krankenkassen zur Darmkrebsvorsorge schriftlich eingeladen worden sind. Über 7 Millionen GKV-Versicherten (21.2% aller Anspruchsberechtigten) haben in diesem Zeitraum an mindestens einer Maßnahme (iFOBT oder Vorsorgekoloskopie) teilgenommen. Das entspricht > 40% der eingeladen Versicherten. Frauen beteiligten sich mit ca. 60%, Männer mit ca. 40% an diesen Untersuchungen.
Mitarbeiter der Abteilung für klinische Epidemiologie des Leibnitz Institutes für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen haben schon 2022 beschrieben: Durch Analyse einer großen, auf Krankenkassendaten gestützten Datenbank konnte gezeigt werden, dass bis zu 50% der Versicherten sich innerhalb von 10 Jahren einer Vorsorge- oder Abklärungs-Koloskopie unterzogen haben (2).

Die gleichen Untersucher haben nun 2026 in einer Langzeitanalyse aufgrund von Krankenkassendaten ermittelt, wie viele Versicherten innerhalb von 10 Jahren sich einer Vorsorge- oder Indikationskoloskopie oder einem iFOBT unterzogen haben. Sie berichten, dass in einer Kohorte, die 2011 50 Jahre alt war, innerhalb von 10 Jahren 80% der Frauen und 63% der Männer an wenigsten einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen haben. In einer 2. Kohorte, die 2011 55 Jahre alt waren, unterzogen sich in den nächsten 10 Jahren 78% der Frauen und 69% der Männer mindestens einer Vorsorgeuntersuchung (3). Diese Versorgungsforschungsdaten zeigen: in Deutschland nehmen > 50% aller Bürger im Rahmen der Darmkrebsvorsorge oder zur Abklärung von Magen-Darm-Beschwerden innerhalb von 10 Jahren mindestens eine Koloskopie oder einen iFOBT in Anspruch. Diese Inanspruchnahme führt zu dem oben beschriebenen präventiven Erfolg! „Eine weitere Steigerung der Inanspruchnahme kann diesen weiter erhöhen“, kommentiert Dr. med. Dipl. rer. soc. Dietrich Hüppe, Vorstand Stiftung LebensBlicke und Co-Sprecher Fachgruppe Kolorektales Karzinom des bng.

(1) Gesundheits-Foren. Evaluationsbericht 2025 Darmkrebs, Leipzig 2025
(2) Hornschuch M, Schwarz S, and Haug U: 10-year Prevalence of Diagnostic and Screening Colonoscopy use in Germany: A Claims Data Analysis. European Journal of Cancer Prevention. 2022; 31: 497-504
(3) Hornschuch M, Schwarz S, and Haug U: High utilization of colonoscopy and fecal occult blood testing for screening or diagnostic purposes in Germany: a longitudinal analysis. European Journal of Cancer Prevention. 2026; 35:1-9