Helicobacter pylori und kolorektales Karzinom

Helicobacter pylori ist definitiv ein Karzinogen (Typ I) und für das Magenkarzinom verantwortlich. Die Rolle für andere Krebse ist offen. Eine internationale Studiengruppe hat anhand von systematischen Reviews und Metaanalysen die globale und regionale H. pylori Exposition und ihre epidemiologische Assoziation mit dem kolorektalen Karzinom geschätzt. Grundlage war das Global Cancer Observatory (GLOBOCAN). Sie fanden nicht ganz unerwartet heraus, dass bei aller unterschiedlicher regionaler Verbreitung H. pylori wahrscheinlich für geschätzte 22 % mit verantwortlich sein könnte. „Sollte sich dieser Zusammenhang bestätigen, wäre beim Darmkrebs-Screening eine H. pylori Testung empfehlenswert und bei Positivität eine Eradikation anzuraten“, resümiert Prof. Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke (Li Y, Cui C, Leung DSWK et al. Global and regional burden of colorectal cancer potentially related to Helicobacter pylori exposure: a risk attribution modelling study. eGastroenterology 2026;4:e100436. doi:10.1136/egastro-2026-100436).

Aktuelles Positionspapier des Bosch Health Campus

„Mehr gesunde Lebensjahre für alle! Vom Krankheits- zum Gesundheitssystem – diesen Aufruf des Bosch Health Campus kann die Stiftung LebensBlicke, die sich seit mehr als 25 Jahren der Darmkrebsprävention verschrieben hat, nur unterstützen“, so Professor Dr. Dieter Schilling, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke. Die wesentlichen fünf Thesen zur Umsetzung sind: 1. Gesundheitskompetenz stärken, 2. Gesundheitszugewinne über alle Lebens- und Krankheitsphasen erweitern, 3. Personalisierung, Digitalisiering und KI für wirksame Prävention nutzen, 4. Gesundheit vor Ort gestalten – in den Lebenswelten und in der Primärversorgung, 5. Finanzierung und Steuerung an den Gesundheitszugewinnen ausrichten und gesundheitliche Ungleichheiten abbauen. Das Positionspapier mit konkreten Reformvorschlägen findet sich unter Bosch Health Campus. 

KI bei Darmkrebsvorsorge: Sinnvoll?

Vorsorgeuntersuchungen sind der Standard bei der frühzeitigen Erkennung von Darmkrebs. Es gibt aber Verbesserungsmöglichkeiten. Neben der etablierten Aufklärung durch Vorträge, Info-Material und ärztliche Beratung könnte die KI als ein neues Verfahren die Botschaft noch weiter streuen. Darauf verwies Prof. Alexander Hann vom Uniklinikum Würzburg beim DGIM-Kongress im April 2026. Er berichtetet, dass in einer aktuellen Studie (Oncology 2026;58: 250-257) das KI-Tool ChatGPT anhand von 15 Fragen getestet wurde, z.B. ab welchem Alter man sich untersuchen lassen sollte und welche potenziellen Risiken die Koloskopie birgt. Prof. Hann resümierte, dass „Die Antwortqualität sehr gut war“. In einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass mit der KI die Menschen auch zur Teilnahme am fäkalen immunchemischen Test (FIT) animiert werden können. Weiterhin prüften Forscherinnen und Forscher aus Hongkong, wie man einen WhatsApp-Chatbot einsetzen kann. Ergebnis der Studie: Nach drei Monaten hatten sich die Screening Raten signifikant erhöht (32,8 Prozent versus 24,4 Prozent). Die Studien legen nahe, dass die KI ein zusätzlicher wichtiger Faktor bei der Aufklärung der Bevölkerung zum Thema Darmkrebsvorsorge ist. Dr. H. Meyer – Stiftung Lebensblicke | Quelle: ÄrzteZeitung: Dr. M. Sonnet 10.9.2026

Früh-KRK: Nicht-kurative ESD – Resektion vs. Überwachung

Die Therapie-Strategie nach nicht-kurativer endoskopischer Submukosa-Dissektion (ESD) eines kolorektalen Frühkarzinoms ist kontrovers. In einem systematischen Review von Literaturdaten haben Autoren um Cesare Hssan untersucht, ob eine zusätzliche chirurgische Nachresektion oder die konsequente endoskopische Nachsorge Unterschiede aufweisen. In die Studie eingeschlossen waren die individuellen Daten von 815 Patienten. Die Studie ergab, dass die zusätzliche chirurgische Resektion mit einem besseren Gesamtüberleben verbunden war, nicht aber mit einem krebsspezifischen. Parameter wie die spätere Rezidivrate waren nicht signifikant unterschiedlich, während die lokale Rezidivrate nach chirurgischer Resektion deutlich niedriger war. Die Autoren folgern, dass diese Ergebnisse eine individualisierte Entscheidung in der Behandlung von nicht-kurativ entfernten kolorektalen Frühkarzinomen nach ESD haben müsse. Es müsse zwischen dem chirurgischen und dem lokalen Rezidivrisiko abgewogen und in einer solchen Situation der Patienten Wunsch berücksichtigt werden. Das gelte  besonders für Patienten in fortgeschrittenem Alter und Komorbiditäten. „Diese Schlussfolgerung können wir nur unterstützen. Sie liegt voll im Trend der individualisierten Präzisionsmedizin“, kommentiert Prof. Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Lebensblicke (Al Hayek M, Sawaf B, Capogreco A et al. Additional Surgery versus Surveillance After Non-curative ESD for Early Colorectal Cancer: A Systematic Review and Reconstructed Individual Patient Data Meta-analysis. Gastrointest Endosc 2026 https://doi.org/10.1016/j.gie.2026.08.052

Große Unruhe bei den niedergelassenen Gastroenterologen

Die Bundesregierung und der Bundestag haben durch das Beitragsstabilisierungsgesetz (Juli 2026) alle Präventionsleistungen ab Januar 2027 budgetiert (gedeckelt). Als Ausgangsjahr wird das Jahr 2025 angesetzt. Sollte die Nachfrage nach der Darmkrebsvorsorge zunehmen, dann bleiben zusätzliche Leistungen ab 2027 unbezahlt. Unsicherheit und Ratlosigkeit macht sich bei den niedergelassen Gastroenterolgen breit. Dies drückte sich in der hohen Teilnehmerzahl in der Mitgliederversammlung des bng während des Viszeralmedizin-Kongresses in Hamburg im September 2026 aus. Eine erste Versammlung am 17.9.2026 musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Einer kurzfristig angesetzte 2. Versammlung am 18.9.2025 folgten erneut > 150 niedergelassene Gastroenterologinnen und Gastroenterologen. Dr. Ulrich Tappe – Vorsitzender des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen (bng) – wies auf die zu erwartenden sehr unterschiedlichen Regelungen in den regionalen Honorarverteilungsmaßstäben hin. Die Prognose des bng-Vorstands für die Praxen insgesamt liegt bei einem Honorarverlust von 3 bis 10 Prozent gegenüber 2025. Eine Zunahme der Wartezeiten auf die Vorsorgekoloskopie ist durch die Fallzahlbegrenzung/Budgetierung zu erwarten. Die Werbung für die Darmkrebsprävention wird durch die aktuelle Gesetzgebung konterkariert. Im Jahr 2025 konnten noch 9% (ca. 60.000) mehr GKV-Versicherte motiviert werden, sich einer Vorsorgekoloskopie im Vergleich zu 2024 zu unterziehen. Dr. Dietrich Hüppe, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke.