Bisher ist Konsens – nicht nur in Deutschland -, dass nach unauffälliger erster Darmspiegelung eine Kontrolle erst nach 10 Jahren erfolgen sollte. Schwedische Autoren berichten jetzt über eine aktuelle Kohorten-Studie auf der Basis des landesweiten schwedischen Datenregisters, in die Personen mit einem Follow-up bis zu 29 Jahren eingeschlossen wurden, die bei negativer Familienanamnese für einen Darmkrebs (KRK) endoskopisch einen unauffälligen Befund hatten. In die gematchte Kontrollgruppe waren Personen entweder ohne Spiegelung oder mit Koloskopie und der Diagnose Darmkrebs eingeschlossen. Interessant ist, dass die auf dieser Basis errechnete Erweiterung des KRK-Screening-Intervalls von 10 auf 15 Jahre nur mit zwei Darmkrebs-Fällen und einem Todesfall auf 1.000 untersuchte Personen, aber ungefähr mit 1.000 vermiedenen Koloskopien verbunden war. „Es verdichten sich die Mitteilungen, dass auch aus ökonomischen Gründen über eine Verlängerung der Intervalle nach erster unauffälliger Vorsorgekoloskopie diskutiert werden muss“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke (Liang Q, Mukama T, Sundquist K et al. Jama Oncol. Published online May 2, 2024. Doi:10.1001/jamaoncol.2024.0827).
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Gesundheitsnetzwerk berichtet über neuen Podcast der SLB
Das „Gesundheitsnetzwerk Leben“ – unter Federführung der Audi BKK entstanden und als großer Kooperationsverbund bundesweit vernetzt – hat es sich zur Aufgabe gemacht, vorhandene Angebote und Ressourcen in der Gesundheitsversorgung leichter zugänglich zu machen. Auch die Stiftung LebensBlicke hat sich diesem Netzwerk bereits vor Jahren angeschlossen. In der aktuellen Ausgabe des dazugehörigen Magazins geht es um viele spannende Gesundheitsthemen, u.a. auch um die neue Podcast-Reihe der Stiftung LebensBlicke, die unter #Alarm im Darm auf Spotify zu finden ist. Erster Gesprächspartner der Stiftung im Podcast ist Nachrichtensatiriker Oliver Welke („heute-show“), der es auch auf den Titel des Magazins geschafft hat.
Neue Daten zur Darmkrebsvorsorge 2021/22 durch den G-BA
Der G-BA veröffentlicht zum ersten Mal nach der Einführung des Einladungsverfahrens zur Darmkrebsvorsorge im Jahre 2019 Zahlen zum Effekt des Screenings (1). Ein Kommentar von Dr. Dietrich Hüppe, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke: „Zum 1. Juli 2019 wurde das Einladungsverfahren zur Darmkrebsvorsorge implementiert. Gesetzliche Krankenkassen sind seitdem verpflichtet, alle fünf Jahre ab dem 50. Lebensjahr ihre Versicherten auf die Darmkrebsvorsorge hinzuweisen. Diese besteht aus einer Beratung, regelmäßigen Stuhltesten oder alternativ zweimal im Leben einer Vorsorgekoloskopie. Die Gesundheitsforen Leipzig (GFL) wurden vom G-BA beauftragt, alle Versorgungsdaten der Darmkrebsvorsorge zusammenzuführen, um den Effekt des Darmkrebsscreening zu evaluieren. Dazu sollen Abrechnungsdaten der KBV, Analysen der Labors, die die Stuhlteste auswerten, ambulante Vorsorgekoloskopien oder Abklärungskoloskopien nach einen positiven i-FOBT, Krankenkassendaten sowie Krankheitsverläufe aus Landeskrebsregistern zusammengeführt werden. Auf die Komplexität der Aufgabe unter den Bedingungen des deutschen Datenschutzes wurde an anderer Stelle hingewiesen (2). Weiterlesen
Frühe Symptome werden häufig nicht beachtet
Die in Deutschland etablierten Maßnahmen zur Dickdarmkrebsvorsorge haben zu einer Reduktion der Erkrankung im Alter geführt, wohingegen die Häufigkeit von Darmkrebs bei jüngeren Patienten deutlich zugenommen hat. Viele Forscher haben sich mit diesen Patienten intensiv befasst, um Ursachen zu finden, aber später auch Maßnahmen im Sinne der Vorsorge ableiten zu können. Aktuell hat eine Arbeitsgruppe aus San Diego den bisher sicherlich größten Datenpool mit Patienten, die vor dem 50. Lebensjahr am Dickdarmkrebs erkrankten. Eine genaue Auswertung der Symptome dieser Patienten zeigte, dass am häufigsten (45%) hellroter Blutabgang auftrat. Viele andere Symptome waren unspezifisch. Die Untersuchung zeigte aber auch, dass es leider gerade bei jungen Menschen mehr als ein halbes Jahr dauert, bis aufgrund dieser Symptome eine Diagnose gestellt wird (JAMA Network Open 2024DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.13157. „Tatsächlich zeigen diese Daten, dass mehr Sensibilität bei Ärzten UND Patienten für spezifische, aber auch unspezifische Symptome geboten ist. Dies gilt vor allem bei Menschen, die übergewichtig sind, sich zu wenig bewegen und sich ungesund ernähren“, kommentiert Professor Dr. Dieter Schilling, Mitglied im Vorstand der Stiftung LebensBlicke.
Ordinariat in Porto Alegre für Prof. Dr. Julio Pereira Lima
Professor Dr. Julio Pereira Lima ist seit 2023 Ordinarius der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Santa Casa Universitätsklinik der Medizinischen Fakultät der Universität von Porto Alegre in Brasilien (www.ufcspa.edu.br). Professor Pereira Lima hat seine endoskopische Ausbildung über ein Auslandsstipendium an der Medizinischen Klinik C des Klinikums Ludwigshafen begonnen und in Brasilien weiterentwickelt. Er hat sich in Ludwigshafen die Grundlagen für seinen wissenschaftlichen Werdegang durch Beteiligung an Studien der Klinik und Publikationen in nationalen wie internationalen Journalen erarbeitet. Er ist derzeit einer der wichtigen Exponenten der südamerikanischen Gastroenterologie und ein in Brasilien wie auch international anerkannter Experte auf dem Gebiet der gastroenterologischen Endoskopie. „Wir gratulieren Julio Pereira Lima ganz herzlich zu dieser außerordentlichen Berufung und wünschen ihm viel Erfolg. Wir sind stolz darauf, dass wir als Klinikum Ludwigshafen den Grundstein für seine Karriere legen konnten“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik C und Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke.