Darmkrebsvorsorge in COVID-19-Zeiten nicht verdrängen!

Seit März dieses Jahres grassiert das SARS-CoV-2-Virus weltweit und auch massiv in Deutschland mit inzwischen > 600.000 Infektionen und > 10.000 Todesfällen – Tendenz steigend. In der ersten Phase dieser Pandemie sind Hausarztkontakte um über 70% eingebrochen. Viele  elektive Untersuchungen wie z.B. die Vorsorgekoloskopie wurden abgesagt, Arztpraxen  vorübergehend geschlossen. Die Stiftung LebensBlicke hat schon sehr früh darauf aufmerksam gemacht, dass auch Vorsorgemaßnahmen wieder ins Blickfeld genommen werden müssen. Jährlich erkranken immer noch ca. 55.000 Menschen an Darmkrebs, ca. 25.000 sterben an dieser Weiterlesen

YouTube: “Qualitätsmanagement in der Endoskopie”

Neu auf YouTube ist das Video “Qualitätsmanagement in der Endoskopie” der Seminarreihe “Endoskopie” von Univ.-Prof. Dr. Helmut Neumann von der Universitätsmedizin Mainz. Das Seminar behandelt die wichtigen Qualitätsparameter, an der sich in der Endoskopie Leistungen messen lassen müssen, sowie die Möglichkeit einer verbesserten Detektion und Charakterisierung von Läsionen durch ein verändertes Lichtspektrum. Abgerundet wird das Programm mit einer Diskussion zu den Abrechnungen in Zeiten der COVID-19 Pandemie. Neben Professor Neumann referieren Dr. Horst Hohn, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe und 2. Vorsitzender des bng (Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen Deutschland), sowie Professor Dr. Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke.

Erblicher Darmkrebs: Gezielte Früherkennung und Prävention

Humangenetiker um den emeritierten Leiter des Intituts für Humangenetik an der RWTH Aachen haben die wichtigsten Daten und Fakten zum familiären und erblichen Darmkrebs übersichtlich zusammengestellt. Diese risikoadaptierte Früherkennung ist leider noch ein Stiefkind in den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses zum Darmkrebs-Screening. Die Information der Bevölkerung über diese Besonderheiten muss nicht nur  ein wichtiges Anliegen sein, sondern vor allem auch zu Konsequenzen im Regelwerk der Darmkrebsfrüherkennung ihren Niederschlag finden (Zerres K. et al. Dtsch. Med. Wochensch 2020;145:1337-1346).

Kaffeetrinken hat deutlichen Einfluss auf Tumorprogession

Das regelmäßige Kaffeetrinken ist schon immer mit Einflüssen auf Erkrankungen verbunden gewesen. In einer aktuellen prospektiven Beobachtungskohorte haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden, dass ein verstärkter Kaffeekonsum mit einer deutlichen Reduktion des Tumorwachstums fortgeschrittener kolorektaler Karzinome verbunden ist. Die Forscher haben auch eine Erklärung dafür: Kaffee enthält chemische Stoffe, deren Bioaktivität mit einem antioxidativen und antientzündlichen Potential verbunden ist und ebenso auch die Darmmortalität beeinflusst.

Stiftung LebensBlicke: Das KFRG ist ein Fortschritt!

Die Stiftung LebensBlicke teilt die in der Ausgabe der Ärztezeitung vom 16.10.2020 geäußerte Ansicht nicht, dass das Krebsfrüherkennungsregistergesetz (KFRG) zum Scheitern verurteilt sei. Das KFRG ist ein auf dem Boden langjähriger Beratungen im Nationalen Krebsplan entstandenes Gesetz, das zu einem Paradigmenwechsel im Darmkrebs-Screening weg vom opportunistischen Screening hin zu einem persönlichen Einladungsverfahren geführt hat. Es regelt auch die genderspezifischen Unterschiede in der Darmkrebs-Inzidenz bei Männern und Frauen: Männer können die Koloskopie bereits mit 50 Jahren in Anspruch nehmen. Von daher ist der KFRG ein echter Fortschritt, wenngleich sicher weitere Verbesserungen erforderlich sind. Gespräche mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA beginnen demnächst. (Riemann et al. Z. Gastroenterol 2020;58:787)

Regelwerk für künstliche Intelligenz (KI) in der Endoskopie

Wie schon mehrfach berichtet, hält die Anwendung künstlicher Intelligenz auch Einzug in die gastroenterologische Endoskopie. Es ist von daher nicht verwunderlich, dass die Rufe nach regulatorischen Überlegungen für diese neue Technik lauter werden.  Amerikanische Gastroenterlogen haben nun in einem Übersichtsartikel einen solchen Versuch unternommen und Vorschläge für eine sichere und effektive Integration in die klinische Praxis gemacht. Die GI-Endoskopie wird weltweit eingesetzt; daher sind solche Überlegungen auch von weltweitem Interesse (Walradt et al. Gastrointest Endosc 2020;92:801-805).

Risiko Intervallkrebs: Qualität des Gastroenterologen wichtig!

Das Auftreten eines kolorektalen Karzinoms nach der ersten Screening-Darmspiegelung war Gegenstand einer Untersuchung der Wiener Arbeitsgruppe unter der Leitung von Elisabeth Waldmann et al. (Gut 2020; online 6. Oktober). In der Studie wurde untersucht, wie sich die Qualität des Endoskopikers auf das Auftreten von Intervallkarzinomen auswirkt. Maßstab für die Beurteilung war die Adenom-Detektions-Rate (ADR). Sie gilt als wichtiger Qualitätsindikator und sollte mindestens 20% betragen. Das Ergebnis der groß angelegten Untersuchung zeigte deutlich, dass bei Untersuchern mit einer niedrigen ADR (< 20%) Intervallkarzinome signifikant erhöht waren, unabhängig von der Risikogruppe (z.B. Hochrisiko: Adenom ≥ 10mm; Niedrigrisiko: Adenom ≤ 10mm). Die Autoren haben zwei Empfehlungen: Endoskopikern mit einer ADR < 20% sollte ein spezielles Training angeboten werden. Bei der Festsetzung der Überwachungsintervalle sollte die ADR des jeweiligen Endoskopikers mit einbezogen werden. (Dr. H. Meyer – Stiftung Lebensblicke | Quelle:  ÄrzteZeitung online 21.10.2020)