Darmspiegelung und Umwelt: Gute Vorsorge, klug organisiert

Die Koloskopie ist eine der wirksamsten Untersuchungen der Krebsprävention. Gerade deshalb lohnt der nüchterne Blick auf ihre Umweltbilanz. Sie entsteht nicht nur im Untersuchungsraum, sondern entlang des gesamten Ablaufs: bei An- und Abreise, beim Verbrauch von Einwegmaterialien, bei der hygienisch unverzichtbaren Aufbereitung der Geräte sowie beim Einsatz von Wasser und Energie. Lämmer et al. zeigen, dass vor allem der Transport ins Gewicht fällt: In ihrer Analyse verursachte eine Koloskopie 56,4 kg CO₂-Äquivalente, rund drei Viertel davon durch die Wege von Patientinnen, Patienten und Personal. Selbst ohne diesen Anteil bleiben der Materialverbrauch und der Wasserbedarf beträchtlich. Wie viel Material dabei zusammenkommt, machen Izci et al. anschaulich: Bei einer diagnostischen Koloskopie fielen im Mittel 0,58 kg Abfall und rund 46 verwendete Produkte an; ein großer Teil davon entstand bereits in der Vorbereitung. Deutsche Daten von Welsch et al. zeigen im Versorgungsalltag sogar durchschnittlich 1,15 kg Abfall pro Untersuchung, überwiegend Restmüll. Zugleich gibt es konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung: Werden ähnliche Eingriffe gebündelt durchgeführt, lässt sich der Abfall bei Gastroskopie und Koloskopie um bis zu 39 Prozent senken. „Klare Konsequenz: Nicht die Vorsorge steht zur Debatte, sondern ihre Organisation. Weniger unnötig geöffnete Materialien, klügere Abläufe und möglichst kurze oder klimafreundliche Wege können die Umweltbelastung spürbar senken, ohne die Qualität der Versorgung zu mindern“, so Dr. Lukas Welsch vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke.
Lämmer P, Oomkens D, Stobernack T et al. Endoscopy International Open. 2025;13:a25706599. doi:10.1055/a-2570-6599. Izci CB, Lao M, Diehl J-C, de Jonge PJF et al. Endoscopy. Online veröffentlicht am 17. Februar 2026. doi:10.1055/a-2773-5144. Welsch L, Friedrich-Rust M, Tal A et al. Gut 2025;0:1–6. doi:10.1136/gutjnl-2024-333401.

Bis 5. Juni bewerben für ein Auslandsstipendium in den USA

Die Stiftung LebensBlicke bietet auch 2026 wieder ein Stipendien-Programm zur Nachwuchsförderung in der Darmkrebsforschung an. In Kooperation mit der international anerkannten Epidemiologin, Professor Dr. Cornelia Ulrich, ist ein Forschungsaufenthalt am renommierten Huntsman Cancer Institute in Salt Lake City, USA, möglich. Das Stipendium wird von der Stiftung LebensBlicke mit 5.000 € unterstützt. Hier geht’s zur Ausschreibung für das Auslandsstipendium 2026. Bewerbungsfrist ist der 5. Juni 2026! Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

KI-Polypendiagnostik erreicht klinisch relevantes Niveau

Eine aktuelle Studie zeigt, dass KI-basierte Systeme (CADx) kleine kolorektale Polypen (≤10 mm) in der Koloskopie mit hoher diagnostischer Genauigkeit nicht nur detektieren, sondern auch sicher charakterisieren können. Insbesondere für diminutive Polypen im Rektosigmoid wurde ein hoher negativer Vorhersagewert erreicht, ein entscheidendes Kriterium für etablierte PIVI-Strategien (Methoden, Polypen zu belassen oder zu verwerfen). Die KI unterstützt dabei insbesondere weniger erfahrene Untersucher und reduziert die interindividuelle Variabilität der Befundung. „Die Ergebnisse unterstreichen das mögliche Potenzial der Technologie zur Standardisierung und Effizienzsteigerung in der Darmkrebsvorsorge“, so Dr. Axel Eickhoff, Generalsekretär der Stiftung LebensBlicke. Quelle: Oleksiw, von Renteln et al.; Endoscopy 2026; 58:132-140.

SLB-Symposium: Paradigmenwechsel beim Darmkrebs

Im Rahmen des DGIM‑Kongresses 2026 richtet die Stiftung LebensBlicke (SLB) am 18. April ab 8 Uhr in Saal 12 das Symposium „Dickdarmkrebs – Paradigmenwechsel in Vor- und Nachsorge““ aus. Die 45‑minütige Hybridveranstaltung wird von H. Lenzen (Braunschweig) und D. Schilling (Mannheim) moderiert. Nach Einführung durch J. F. Riemann (Ludwigshafen) folgen Beiträge von C. Pox (Bremen) zur Aktualität der Vorsorgekoloskopie nach der COLON‑Prev‑Studie, von A. Hann (Würzburg) zum Potenzial von Large Language Models für die Steigerung der Vorsorgeakzeptanz sowie von H. Lenzen (Braunschweig) zum leitliniengerechten Management von T1‑Karzinomen. Das Symposium bietet einen prägnanten Überblick über aktuelle Entwicklungen in Prävention und Therapie des kolorektalen Karzinoms. (Kongress DGIM Programm)

Prophagen-Infektionen könnten Darmkrebs fördern

Die Entstehung von Darmkrebs ist multifaktoriell; aber etwa 80% des Risikos werden auf Umweltfaktoren zurückgeführt. Ein wesentlicher Faktor ist das Mikrobiom, auch wenn der Zusammenhang noch nicht verstanden ist. Bekannt ist jedoch, dass Darmkrebs mit einer Dysbiose der Darmbakterien assoziiert ist. Insbesondere Bacteroides fragilis (B. fragilis) scheint eine Rolle dabei zu spielen, kommt aber auch in praktisch allen gesunden Menschen vor. In einer aktuellen Studie haben dänische Forscher B. fragilis von Darmkrebs-Patienten und gesunden Probanden verglichen. Sie fanden dabei spezifische Prophagen-Genome eines zuvor nicht bekannten Virus. Diese Viren konnten doppelt so häufig in Darmkrebs-Patienten als in gesunden Probanden gefunden werden. Die Forscher konnten damit erstmals einen Zusammenhang zwischen Phagen und einem mutmaßlich an der Darmkrebs-Entstehung beteiligten Bakterium herstellen. „Sie folgern, dass diese Entdeckung zukünftig eine Rolle als Biomarker in der Prävention und Therapie des Darmkrebs spielen könnte“, fasst Prof. Dr. Christoph Eisenbach vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke zusammen. (Damgaard F et al. Nature Communications Medicine 2026; 6: 147 https://doi.org/10.1038/s43856-026-01403-1).