Polypen bei Angehörigen erhöhen das Darmkrebsrisiko

Es ist schon lange bekannt, dass das Auftreten von kolorektalen Karzinomen (CRC) bei erstgradigen Familienangehörigen mit einem erhöhten CRC-Risiko einhergeht. In einer aktuellen Studie wurde der Zusammenhang für das CRC-Risiko mit dem Nachweis von Polypen während einer Darmspiegelung bei Familienangehörigen untersucht. Dabei wurden aus Daten des Swedish Family Cancer Datasets bei 11.676.043 Personen untersucht, von denen 162.927 an einem CRC erkrankten. Es konnte gezeigt werden, dass das relative Risiko (RR) auf 1,4 anstieg, wenn bei einem erstgradig Verwandten Polypen festgestellt wurden. Das RR stieg auf 2,2 wenn bei mehreren erstgradig Verwandten wiederholt Polypen festgestellt wurden. Interessanterweise stieg das RR, ein CRC vor dem 50. Lebensjahr zu entwickeln (EoCRC) auf 3,9 bei mehreren Verwandten mit mehrfachen Polypen. Weiterhin konnte belegt werden, dass in je jüngerem Alter bei Angehörigen Polypen festgestellt wurden, das RR für ein CRC stieg. „Die Studie liefert wertvolle Hinweise auf den genetischen Zusammenhang bei der Entstehung von CRC. Daraus könnten sich verbesserte Screening-Strategien ableiten lassen, bei denen auch die Diagnose von Polypen bei erstgradigen Verwandten berücksichtigt werden“, folgert Prof. Dr. Christoph Eisenbach vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke (Hu Y et al. Gastroenterology 2025; 10:S0016-5085(25)00036-8. doi: 10.1053/j.gastro.2024.12.030).

Ernst von Leyden-Preis: Einreichungen bis 30. April 2025

Die Stiftung LebensBlicke stiftet seit 2017 anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) den „Ernst von Leyden-Preis“ für herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Darmkrebsprävention oder allgemein der Früherkennung und Prävention von Tumorerkrankungen im Gastrointestinaltrakt. Der mit 1.000 € dotierte Preis ist für die Auszeichnung und Förderung von Wissenschaftlern/innen gedacht, die in Kliniken und Instituten in Deutschland tätig sind. Es sollen insbesondere junge Wissenschaftler am Beginn ihrer Forschungskarriere gefördert werden. Abstracts können bis zum 30. April 2025 unter www.viszeralmedizin.com eingereicht werden.

ENDOAkademie: Neue Trainingskurse 2025

Die ENDOAkademie bietet auch in 2025 an verschiedenen Standorten Trainingskurse unter dem Motto „Potentiale fördern und entwickeln“ an. Die Kurse sind CME-Punkte- und DGVS-zertifiziert. Die ENDOAkademie hat es sich zum Ziel gesetzt, das Ausbildungsangebot in Theorie und Praxis in den verschiedenen Bereichen der flexiblen Endoskopie zu verbessern. Hierzu wurde, basierend auf den Vorschlägen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), ein multizentrisches Kurssystem entwickelt, das eine strukturierte und didaktisch optimierte praeklinische Ausbildung am Modell ermöglicht. „Diese Trainingskurse sind wichtige Hilfen für Kolleginnen und Kollegen in der Aus- und Weiterbildung, sich endoskopische Qualifikationen gerade auch in der Koloskopie zu erwerben“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke. Weitere Informationen, Termine, Themen und Orte gibt’s hier

Endoskopische Beurteilung mit KI besser als der Pathologe?

Die Künstliche Intelligenz hat in unserer klinischen Praxis der Vorsorgekoloskopie Einzug gehalten. Sie unterstützt bei der Erkennung von Polypen, aber auch bei deren Einschätzung hinsichtlich der Frage, ob es sich um einen harmlosen Polypen handelt oder um ein Adenom mit dem Risiko der Entartung. Renommierte Wissenschaftler aus USA und Kanada, die sich z.T. seit Jahrzehnten mit der Vorsorgekoloskopie beschäftigen, haben untersucht wie sicher tatsächlich der histopathologische Befund ist, der bisher als Goldstandard galt. Sie fanden, dass in bis zu 10% der Fälle, in denen der Endoskopiker ein Adenom vermutet hat, vom Pathologen ein normaler Befund attestiert wurde. In einer sehr aufwändigen Analyse von Daten, die im Zusammenhang mit der Evaluation der künstlichen Intelligenz eingesetzt wurden, haben sie festgestellt, dass 50% der Normalbefunde doch Adenome waren und dass 20% dieser Patienten falsche Überwachungsempfehlungen erhalten haben. „Diese Daten aus kleinen gut untersuchten Serien müssen noch an größeren Fallserien überprüft werden. Die Autoren empfehlen, die diskrepanten Befunde mit dem jeweiligen Pathologen zu besprechen und in der Routine auch die KI einzusetzen“, analysiert Professor Dr. Dieter Schilling vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke. (Djinbachian R et al Clinical Gastroenterology and Hepatology 2024; 22:2344-2346)

Ernährungsweite Analysen des Darmkrebsrisikos

„Die Ernährung ist die Grundlage der Gesundheit“, sagt eine alte asiatische Weisheit. Doch was ist gesund, und welche Rolle spielt z. B. die Ernährung bei der Entstehung von Darmkrebs? Dieser Frage sind K. Papier und Mitarbeiter in einer prospektiven Studie bei Frauen in Großbritannien nachgegangen. (Nat Commun 16, 375 (2025).) 97 Ernährungsfaktoren mit einem Zusammenhang zum Darmkrebsrisiko wurden bei 542.778 weiblichen Studienteilnehmern über 16,6 Jahre untersucht. Die Forscher gehen davon aus, dass Milch und bestimmte Milchprodukte das Risiko für Darmkrebs vermindern. So senke ein Glas Milch (200 Gramm) pro Tag das Erkrankungsrisiko im Mittel um etwa 14 Prozent, 50 Gramm Joghurt um acht Prozent – wohl vor allem wegen des enthaltenen Kalziums, berichten die Forschenden. Auch Vollkornprodukte, Obst und einzelne Vitamine haben demnach wahrscheinlich einen schützenden Effekt. Hingegen können Alkohol sowie rotes und verarbeitetes Fleisch das Darmkrebsrisiko erhöhen. Die wahrscheinliche Schutzfunktion von Kalzium kann mit seiner Fähigkeit zusammenhängen, sich an Gallensäuren und freie Fettsäuren im Dickdarmlumen zu binden und so deren potenziell krebserregende Wirkung zu verringern, erläutern die Wissenschaftler. Außerdem deuteten frühere Forschungsergebnisse darauf hin, dass Kalzium die Darmschleimhaut schützt. Das Forschungsprojekt untermauere bisherige Erkenntnisse zur ernährungsbedingten Beeinflussung von Darmkrebs. Die positive Wirkung von Milch und Kalzium sei jedoch stärker ausgeprägt als nach früheren Studien. Dr. H. Meyer, Stiftung Lebensblicke, Quelle: Spiegel online 12.01.2025