S3-Leitlinien werden transparent, strukturiert, neutral und Studien-begründet erstellt und repräsentieren die höchste Qualitätsstufe medizinischer Empfehlungen. Sie sind daher Empfehlungen auf der Basis von Evidenz und strukturiertem Konsens. Sie richten sich an Ärztinnen und Ärzte, aber auch an Pflegekräfte und weitere Fachleute im Gesundheitswesen. Da Leitlinien zwangsläufig einem Alterungsprozess unterliegen, ist entscheidend, dass sie in regelmäßigen Abständen überprüft und nachgebessert werden. Ein solches Update (Runderneuerung) hat jetzt in Mannheim stattgefunden, unter der souveränen Moderation von Professor Dr. M. Ebert, Direktor der Medizinischen Klinik II, Universitätsmedizin Mannheim, und Privatdozent Dr. Ch. Pox, Chefarzt der Medizinische Klinik des Krankenhauses St. Joseph-Stift in Bremen. Die DGVS war die führende Fachgesellschaft; Mitglieder aus vielen anderen Fachgesellschaften haben in sehr konstruktiven und auch kontroversen Diskussionen dieses Update vorgenommen. Die Stiftung LebensBlicke war ebenfalls eingebunden. Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) begleitet und prüft seit vielen Jahren, ob Leitlinien in ihrer Entstehung und in ihrer Aktualisierung den geltenden Richtlinien entsprechen. Die Publikation dieses Updates wird noch in diesem Jahr erfolgen.
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Endoskopische Polypen-Resektion – kalt oder warm?
Die Entfernung von nicht gestielten Darmpolypen erfordert in der Regel eine Schlingenresektion, die seit vielen Jahren auf elektrothermischer Basis durchgeführt wird. In letzter Zeit mehren sich Berichte, dass auch die kalte Abtragung (ohne Strom) erfolgreich ist. Deutsche Wissenschaftler haben nun in einer randomisierten kontrollierten Studie beide Maßnahmen verglichen und gefunden, dass im Arm mit der kalten Schlinge keine Perforationen, aber eine höhere Rezidiv- respektive Residual-Rate im Vergleich zur Resektion mit der Thermoschlinge zu beobachten war. Die Autoren folgern, dass Stand heute auch die kalte Entfernung eine Alternative ist, Perforations-ärmer, aber Rezidiv-häufiger. „Weitere größere Studien sollten diesen Trend erhärten und ggfs. Wege aufzeigen, wie sich auch die kalte Schlingenabtragung als Komplettresektion verbessern lässt“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke (Steinbrück I. Ebigbo A, Kuellmer A et al. Gastroenterology 2024 May 23 doi.org/10.1053/j.gastro.2024.05.013).
Expertenkommentare – immer eine Fundgrube des Wissens
Die Stiftung LebensBlicke stellt regelmäßig aktuelle Informationen rund um das Thema Darmkrebs zur Verfügung. Nicht nur ein hochkarätiger Expertenbeirat sichtet und kommentiert neueste Publikationen aus der nationalen wie internationalen Literatur, auch Mitglieder des Vorstands schreiben für die Homepage der Stiftung LebensBlicke, heute Frau Professor Ines Gockel, Leipzig. Der Expertenbeirat trägt ganz wesentlich zu einem wichtigen Ziel der Stiftung bei, seriöse Informationen vor allem auch für ärztliche User unserer Website anzubieten. Hier geht es zu den Kommentaren.
Von Sehnsüchten, Süchten und der Adipositas
Der Präventionsnachmittag, organisiert von Stiftung LebensBlicke, Rotary Club, Bürgerstiftung, Ernst Bloch Zentrum und Ernst Bloch Stiftung, alle Ludwigshafen, war ein großer Erfolg. Wolfgang Boeckh, langjähriger Gymnasial-Schulleiter in Leipzig, hat einen historisch-philosophisch anspruchsvollen Vortrag über Süchte und ihre Entwicklung und Geschichte im Laufe der Zeit gehalten. Sein Vortrag mündete in die aktuelle Situation ein. Besonders aufschlussreich sind seine zusammenfassenden Bemerkungen, die auch Lösungsansätze aufzeigen. „Dieser Vortrag sollte für jeden, der sich mit Suchtproblemen, die besonders nach der Cannabis Freigabe wieder aktuell diskutiert werden, ein Ansporn sein, ihn zu lesen und sich kritisch mit den Lösungsansätzen zu befassen. Wir sind gespannt auf die Reaktionen“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke.
Darmkrebs-Zunahme und Darmkrebs-Risiko unter 50 Jahren
Darmkrebs ist vor allem eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, die Erkrankungsraten und die Zahl der Todesfälle durch die Vorsorgedarmspiegelung deutlich zu senken. Besorgniserregend ist jedoch eine deutliche Zunahme der Erkrankungsfälle bei jungen Menschen unter 50 Jahren (early-onset colorectal cancer, eo-CRC). In einer großen Studie wird eine besorgniserregende Zunahme der Darmkrebsfälle in Europa bei Personen unter 50 Jahren prognostiziert, die etwa seit dem Jahr 2000 deutlich ansteigt, weltweit um etwa 30%. Es konnten einige Risikofaktoren identifiziert werden: Insbesondere Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel. Wahrscheinlich spielen Veränderungen des Mikrobioms mit Zunahme von Fusobacterium durch gesüßte Getränke und andere Ernährungsgewohnheiten schon während der Kindheit hier eine große Rolle. „Diese Zahlen unterstreichen die Wichtigkeit von Aufklärung über gesunde Ernährung sowie das Ernstnehmen von Symptomen auch bei jungen Menschen“, so Professor Dr. Christoph Eisenbach vom Vorstand der Stiftung LebensBlicke. Grafik: Inzidenz des Kolorektalen Karzinom (ASR/100.000) in der Altersgruppe 0-49 Jahre im Jahr 2022. Quelle: WHO