Darmkrebs ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters und dank Screening-Angeboten rückläufig. Die Vorsorge-Koloskopie wird in der Altersgruppe zwischen 50 und 75 Jahren angeboten, bei älteren nur dann, wenn sie bei guter Gesundheit sind. Amerikanische Kliniker haben untersucht, was bei einer Vorsorge-Koloskopie bei über 75-jährigen zu erwarten ist, deren Lebenserwartung weniger als zehn Jahren beträgt, da sie mehrere Begleiterkrankungen haben. Sie fanden, dass das Risiko von Komplikationen gegenüber dem Nutzen deutlich höher war. Die Rate an fortgeschrittenen Adenomen respektive an Karzinomen lag in dieser Kohorte unter 7% bzw. unter 1% gegenüber einer Komplikationsrate von über 13%, die eine Krankenhausaufnahme notwendig machten. Schlussfolgerung: Patienten über 75 Jahre mit einer limitierten Lebenserwartung durch mehrere Begleiterkrankungen sollten klar über die deutlich erhöhten Risiken bei einer Vorsorge-Koloskopie aufgeklärt werden (El Halabi J, Burke CA, Hariri E et al.: Frequency of Use and Outcomes of Colonoscopy in Individuals Older Than 75 Years. JAMA Intern Med. 2023;183: 513-519).
Archiv der Kategorie: Allgemein
Personalien: Prof. Hans-Jürgen Hennes neu im Kuratorium
Der Stiftungsrat der Stiftung LebensBlicke hat auf Vorschlag des Vorstands Professor Dr. Hans-Jürgen Hennes, Medizinischer Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Mannheim, in das Kuratorium der Stiftung berufen. Ausgeschieden aus dem Kuratorium ist Sanitätsrat Dr. Günter Gerhardt, ihm folgt als Vorsitzender Prof. Dr. Peter Frankenberg nach. Neu in den Stiftungsrat gewählt wurden Dr. Barbara John und Dr. Dagmar Mainz; wiedergewählt wurden Markus Haist, Prof. Michael Jung und Winfried Plötze; ausgeschieden sind hier Prof. Dr. Hanns Löhr und Prof. Dr. Florian Lordick. In den Vorstand wiedergewählt wurden Karin Gräfin Sassoli de Medici und Dr. Dietrich Hüppe. Foto: UMM Mannheim
Stiftung Lebensblicke – Würdigung in Gastro News
In der aktuellen Ausgabe von GastroNews, einer unabhängigen und praxisnahen Fortbildungszeitschrift zu allen Aspekten der Gastroenterologie und Hepatologie, fasst Dr. Dietrich Hüppe, Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke, die Gründung und die Entwicklung der Stiftung zusammen, die in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden ist. Hüppe würdigt nicht nur die Erfolgsgeschichte der Stiftung und die daraus resultierenden Verbessserungen in der Darmkrebsvorsorge in Deutschland, sondern auch das besondere Engagement des Mitbegründers und heutigen Vorstandsvorsitzenden, Prof. Dr. J. F. Riemann, der im Jubiläumsjahr zeitgleich seinen 80sten Geburtstag feiern durfte. „Ich werde mich, solange es meine Gesundheit zulässt, auch weiterhin regional und bundesweit für die Darmkrebsvorsorge einsetzen“, so J. F. Riemann. Hier geht’s zum Artikel.
Erfolgreicher Biosensor auf der Spur von Tumor-DNA
Amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, das Bakterium Acinetobacter baylyi so zu verändern, dass es spezifische extrazelluläre DNA-Sequenzen und Mutationen der DNA des Genoms kolorektaler Karzinomzellen, von Organoiden und Tumoren detektieren kann. Wenn sich dieses Ergebnis bestätigt, ist die Biodetektion spezifischer zellfreier DNA in Sicht und damit eine sehr exakte Erkennungsmöglichkeit des kolorektalen Karzinoms sogar im Vorläuferstadium (Cooper RM, Wright JA, Ng JQ et al. Engineered bacteria detect tumor DNA. Science 2023; 381:682-686. Epub 2023 Aug 10).
Langes Sitzen ist ein neuer wichtiger (Krebs-) Risikofaktor!
Der gerade über die Medien verbreitete DKV Report 2023 ist sehr ernüchternd und bestürzend zugleich. Ein von der Deutschen Sporthochschule Köln angefertigtes Gutachten für die Deutsche Krankenversicherung AG hat ergeben, dass nicht nur unter 20% der Bevölkerung statistisch gesehen nicht nach den aktuellen Gesundheitsempfehlungen leben; er hat auch gezeigt, dass die Menschen derzeit ca. 9 Stunden am Stück sitzen. Das ist vor allem der technischen Entwicklung mit mehr Schreibtischarbeit im beruflichen und mehr Computerspielen bzw. Fernsehen im privaten Umfeld geschuldet. Diese Zahl gilt durch die Bank für alle Generationen, wobei die Jüngeren unter 30 am längsten kontinuierlich ’sitzen‘. Diese Meldung muss eigentlich zu einer Mobilitätswende führen, sonst wird das Ausmaß möglicher Folgeschäden durch Bewegungsmangel durchaus dramatisch. „Das gilt natürlich auch für die Entstehung von Krebserkrankungen, insbesondere für den Darmkrebs“, kommentiert Professor Dr. J. F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke. „Regelmäßige körperliche Bewegung ist ein Garant dafür, dass viele Erkrankungen, auch Darmkrebs (bis 40 % Reduktion!), gar nicht erst entstehen. Die Ursachen sind multifunktionell; sicher hängt aber die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, auch einer Krebserkrankung, entscheidend auch von der Mobilität des einzelnen ab“.